14.03.2016

Einbruch vorbeugen

Zahl der jährlichen Einbrüche in Wohungen und Wohnhäuser in Östereich von 2005 bis 2014 (Quelle: Statistik Austria)

Zahl der jährlichen Einbrüche in Wohungen und Wohnhäuser in Östereich von 2005 bis 2014 (Quelle: Statistik Austria)

Einbrecher suchen den einfachsten und schnellsten Weg ins Haus oder in die Wohnung. Einbruchprävention hat daher das Ziel, ihnen möglichst viele Hindernisse in den Weg zu legen. Das gelingt schon mit einfachen Maßnahmen und kleinen Änderungen des Alltagsverhaltens.

„Es gibt keine einbruchsicheren Wohnungen“, erklärt Mag. Robert Goliasch Vorsitzender der Berufsgruppe der Berufsdetektive in der Wirtschaftskammer Wien und „Sicher Daheim“-Koordinator. Sicherheitsmaßnahmen gegen Einbruch würden dazu dienen, potentiellen Täter möglichst viel Widerstand in den Weg zu legen.  Je länger es dauert, diesen Widerstand zu überwinden, umso eher sehen Einbrecher von einer Tat ab (um sich einem lohnenderen Objekt zuzuwenden). „Theoretisch ist auch Fort Knox zu knacken – wenn Täter die Zeit und die Mittel dazu haben“, so Goliasch. Einbruchsprävention hat den Zweck, Zeit zu gewinnen.

Viele Menschen würden erst dann mit Einbruchsprävention beginnen, wenn der Schaden bereits da ist, also wenn bereits eingebrochen worden ist. „Die Maßnahmen, die unter dem Eindruck eines Einbruches gesetzt werden sind oft überzogen. Um Einbrecher abzuschrecken, hätten auch einfachere Maßnahmen genügt“, erklärt Goliasch.

Gelegenheitstäter mit leichtem Gepäck.

Um wirksame Maßnehmen der Einbruchsprävention zu setzen, muss man das Vorgehen der Einbrecher kennen. Die meisten Einbrüche sind nicht von langer Hand geplant, wie Goliasch aus Erfahrung weiß. Dass die Täter ein Objekt vorher wochenlang observieren, komme selten vor. Einbrecher haben meist auch keine schweres Werkzeug dabei sondern reisen mit leichtem Gepäck: Schraubenzieher, Rohrzange und kurzes Brecheisen reichen aus. Eine ungesicherte Eingangstür ist damit in weniger als einer Minute geöffnet, der gesamte Einbruch dauert selten länger als eine halbe bis drei viertel Stunde

Besonders gefährdet: Dachgeschoß und Parterre

Die Wahrscheinlichkeit, Opfer eines Einbruches zu werden, ist in Wien in allen Bezirken ungefähr gleich hoch. Große Ausreißer in den Bezirken gibt es kaum. In Mehrparteienhäusern sind Erdgeschoß und die oberste Etage am stärksten gefährdet. Der oberste Stock ist bei Einbrechern beliebt, weil sie den Lift blockieren und dann relativ unbehelligt ihrer Tätigkeit nachgehen können. Sie müssen dann nicht befürchten, dass sie ein Hausbewohner aus einer oberen Etage überraschen könnte.

Um einzusteigen werden auch abenteuerliche und gefährliche Wege in Kauf genommen. Goliasch erzählt von einem Fall, in dem ein Einbrecher 16 Meter an einem Fallrohr in die Höhe geklettert ist, um in eine Wohnung im vierten Stock einzusteigen. Auch vor einem Weg über das Dach scheuen Einbrecher nicht zurück, wenn dadurch ein leicht zu öffnendes Fenster oder eine ungesicherte Balkontür erreicht werden kann.Es gibt kaum eine Stunde des Tages, zu der kein Einbrecher unterwegs ist. Zinshäuser werden bevorzugt ab 9 Uhr am Vormittag heimgesucht. In Einfamilienhäuser beginnt die Zeit der Einbrüche mit der Dämmerung, in Gartensiedlungen wird auch spät in der Nacht eingebrochen. Wochenenden werden für Einbrüche in Gewerbebetriebe genützt, besonders beliebt sind lange Wochenenden.

Begehrte Beute

Als Diebesbeute begehrt ist alles, was klein und wertvoll ist: Neben Schmuck und Bargeld vor allem kleine elektronische Geräte wie Digitalkamera, Smartphones und kleine Notebooks. Sperrige Gegenstände wie Flachbildfernseher oder Stereoanlagen sind wegen ihrer Sperrigkeit für Diebe uninteressant.

Wenn Computer oder Tablets gestohlen werden, ist das nicht nur ein materieller Verlust. Schwerer wiegt meist der Verlust wichtiger Daten, die darauf gespeichert sind, zum Beispiel Familienfotos, Mail-Verkehr oder pdf-Dokumente. Goliasch rät deshalb unbedingt dazu, Sicherheitskopien auf Festplatten oder Speichersticks anzufertigen und diese Speichermedien getrennt aufzubewahren: Im Büro, in einer anderen Wohnung oder am besten in einem Bankschließfach.

Spielen Sie nicht den Helden!

Was sollte man tun, wenn man nach Hause kommt und bemerkt, dass während der Abwesenheit eingebrochen wurde? Wenn die Türe offensteht, sollte man die Wohnung nicht betreten. Zum einen könnten dadurch wichtige Spuren verwischt werden, zum anderen besteht die Möglichkeit, dass sich der Einbrecher noch in der Wohnung befindet. Bei Einbrechern muss man immer mit Gewaltbereitschaft rechnen, warnt Goliasch. Andererseits treten ertappte Eindringlinge meist den Rückzug an, wenn sich die Gelegenheit bietet. Goliaschs Rat: „Rufen sie laut und drehen Sie das Licht auf. Schneiden Sie dem Einbrecher aber keinesfalls den Rückweg ab!“

Prävention: Von Nachbarschafts-hilfe bis zur Alarmanlage

Damit es erst gar nicht zu einem Einbruch kommt, sind die vier Säulen der Prävention zu beachten, die
organisatorische

  • bauliche
  • mechanische und  die
  • elektronische Prävention.

Organisatorische Prävention beginnt damit, Fenster und Türen abzusperren. Fenster sollten auf keinen Fall längere Zeit gekippt bleiben. Mit einfachem Spezialwerkzeug kann ein gekipptes Fenster in weniger als zehn Sekunden geöffnet werden, ohne  Einbruchspuren zu hinterlassen. Dass man keine Schlüssel unter Fußmatten versteckt, sollte selbstverständlich sein, ebenso, dass bei längerer Abwesenheit Werbematerial von der Wohnungstür entfernt wird.

Zu den baulichen und mechanischen Maßnahmen zählt der Einbau von Sicherheitstüren, einbruchhemmenden Fenstern und ähnlichem. Für Wohnungs- und Hauseingangstüren wird die Widerstandsklasse 3 nach ÖNORM empfohlen. Fenster, die einem Einbruch ausreichend lange standhalten, haben mindestens Widerstandsklasse 2. Die Prüfung nach ÖNORM ist wichtig, da ansonsten keine Förderungen gewährt werden.

Fensterläden aus Holz oder Aluminium sind für Einbrecher kein großes Hindernis. Im Unterschied dazu dienen Rollläden aus Alu der Abschreckung, da sie einem gewaltsamen Öffnungsversuch eine gewisse Zeit standhalten und das Aufbrechen Lärm erzeugt. Fenstergitter, Scherengitter, Balkenschlösser usw. können bei fachmännischem Einbau zusätzlich Sicherheit bieten.

Welche Maßnahmen sinnvoll sind, lässt sich am besten im Rahmen eine Risikoanalyse beurteilen. Die Plattform „Sicher Daheim“ der WKO bietet Sicherheitsanalysen durch eigene „Sicher Daheim“-Koordinatoren an. Die Begutachtung dauert eine bis eineinhalb Stunden pro Wohnung bzw. Einfamilienhaus und kostet inklusive schriftlichem Maßnahmenkatalog 120 Euro.

Elektronische Prävention umfasst Alarmanlagen, Videoüberwachungssysteme und Zugangskontrollsysteme. Auch hier wird zu einer Risikoanalyse mit anschließender fachmännischer Beratung geraten.