24.04.2018

Schimmel vorbeugen und bekämpfen

Schimmelecke

Schimmel in einer kalten Wohnungsecke

Auf feuchten Stellen in der Wohnung kann sich rasch Schimmel bilden. Schimmel ist ein ernsthaftes gesundheitliches Problem und sollte so rasch wie möglich entfernt werden. Symptombekämpfung allein ist aber zu wenig, denn oft sind Baufehler die Ursache für hartnäckigen Schimmelbefall.


Schimmel ist ein Thema, das in der Luft liegt. Im wörtlichen Sinn: Denn die Sporen der über hundert Schimmelpilzarten, mit denen wir täglich zu tun haben, sind praktisch überall präsent. Sobald sie genug Feuchtigkeit und Nahrung vorfinden, beginnen sie sich zu vermehren. Nahrung für Schimmelpilze gibt es in der Wohnung mehr als genug: Tapeten, Kleber, Anstrichfarben und Putz bilden einen guten  Nährboden.
Der entscheidende und limitierende Faktor, der den Schimmel in Räumen wachsen lässt, ist die Feuchtigkeit. Es ist eine Luftfeuchte von mehr als 70 % notwendig, damit die Sporen keimen – und dann kann es sehr schnell gehen: Die erste Sporenkeimung beginnt schon nach zwölf Stunden. Nach 24 Stunden beginnen die Schimmelpilze zu wachsen.

Wie gefährlich ist Schimmel?

Ein modriger Geruch in Räumen ist ein deutlicher Hinweis auf Schimmel, aber nicht immer ist Schimmelbefall so offensichtlich. Entfernt gehört Schimmel auf jeden Fall, denn es besteht immer die Gefahr einer Gesundheitsbeeinträchtigung. Typische Erkrankungen, die sich auf Schimmelbelastung zurückführen lassen, sind Beeinträchtigungen der Atemwege, Reizerscheinungen der Augen und der Haut, erhöhte Infektanfälligkeit, chronischer Erschöpfungszustand und Allergien. Schimmel tritt zudem häufig in Begleitung von Milben und Bakterien auf, die ein zusätzliches Krankheitsrisiko bergen. Nicht jeder Mensch ist gleich anfällig gegen Schimmel. Besonders betroffen sind alte Menschen, Kinder und Menschen mit schwerwiegenden Erkrankungen.

Wie schwerwiegend Schimmelbefall ist, hängt unter anderem von der Größe der Schimmelflecken ab. Relativ harmlos sind kleine schwarze Schimmelpunkt, die z. B. regelmäßig in der Dusche auftreten. Diese kann man problemlos mit 70-prozentigem Alkohol wegwaschen. Nicht mit Essig, wie oft empfohlen – das kann unter Umständen das Schimmelwachstum sogar beschleunigen!

Wenn sich Schimmel dauerhaft einnistet

Bei hartnäckigem, großflächigem Auftreten von Schimmel sollte man auf jeden Fall die baulichen Gegebenheiten kontrollieren. Die Gefahr, dass hier irgend etwas nicht stimmt, ist groß. Feuchte Mauern sorgen für ständig feuchtes Raumklima. Bauschäden und Wärmebrücken verursachen kalte Stellen an Wänden, an denen Luftfeuchtigkeit kondensiert. An diesen Problemstellen siedeln sich regelmäßig Schimmelpilze an. Manchmal ist der Schimmelbefall so stark, dass er bis tief in die Putzschicht dringt. Dann muss die gesamte Putzschicht entfernt und das Mauerwerk getrocknet werden, bevor eine neue Putzschicht aufgetragen werden kann. Mit einer mechanischen oder chemischen Bekämpfung des Schimmels an diesen Stellen bekämpft man nur die Symptome. Eine nachhaltige Strategie kann nur gelingen, wenn die Ursachen beseitigt werden. Hier ist Rat und Hilfe vom Fachmann gefragt. 

Schimmel vorbeugen

Schimmelgefahr in der Wohnung besteht, wenn die relative Luftfeuchte im Raum über 60 % beträgt. Für das menschliche Wohlbefinden ist eine Luftfeuchte zwischen 30 und 55 Prozent ideal. Zu niedrig soll die relative Luftfeuchte nicht sein, da dann die Schleimhäute austrocknen und – vor allem im Winter – erhöhte Infektionsgefahr besteht. Mit einem handelsüblichen Hygrometer (gibt es im Elektrohandel ab etwa 10 Euro) lässt sich die Luftfeuchte leicht bestimmen – und oft kann man mit einfachen Strategien der Schimmelgefahr gegensteuern.

Zum Trocknen aufgehängte Wäsche gibt viel Wasser ab. Wenn Schimmelgefahr besteht, sollte Wäsche deshalb nach Möglichkeit außerhalb der Wohnung getrocknet werden (im Freien oder auf dem Dachboden). Eine andere Lösung wäre ein elektrischer Wäschetrockner mit Außenanschluss. Weitere Feuchtigkeitsquellen sind großblättrige Zimmerpflanzen, Aquarien und Zimmerbrunnen. Auf sie sollt man in schimmelgefährdeten Räumen verzichten.  

 

Auch beim Kochen, Backen, Duschen und Baden werden große Feuchtigkeitsmengen freigesetzt. Das lässt sich billigerweise nicht vermeiden, doch sollte man dafür sorgen, dass Dunst und feuchte Luft den Räum wieder verlässt – über eine Abluft-Dunstabzugshaube, durch Ventilatoren oder einfach durch das offene Fenster (Lüften nach dem Duschen!).

Heizen und Lüften – aber richtig!

Im Winter soll die Wohnung möglichst gleichmäßig beheizt werden. Wenn warme Luft (die bei gleicher relativer Luftfeuchte mehr Wasser enthält) in ein unbeheiztes und daher kälteres Zimmer strömt, kühlt sie ab und das Wasser kondensiert an den Wänden, vor allem an den tendenziell kühlen Außenmauern. Schimmel findet so ideale Lebensbedingungen. Als Faustregel gilt: Der Temperaturunterschied zwischen den einzelnen Wohnräumen soll 3 °C nicht überschreiten.

Auch im Sommer kann Schimmel entstehen. Dafür sind die großen Temperaturunterschiede zwischen draußen und drinnen verantwortlich, die an einem heißen Tag entstehen. Strömt beim Lüften warme Luft in kühle Räume, kann Kondensat entstehen. An Sommertagen soll deshalb besser in der Früh oder in der Nacht gelüftet werden, da zu diesen Tageszeiten der  Temperaturunterschied zwischen drinnen und draußen nicht so hoch ist.

Ähnliches gilt übrigens auch für Keller: Der Sommer ist ein eher ungünstige Zeit, um die kühlen Keller auszulüften. Das macht man besser im Herbst, wenn der Temperaturunterschied zwischen der Kellerluft und der Luft im Freien gering ist.

Dass Luftfeuchte kondensiert und Wände feucht werden, lässt sich kaum vermeiden. Dann muss man dafür sorgen, dass die Wände auch wieder trocknen können. Feuchte Luft muss von der Mauer weggeführt werden, und trockene Luft muss an die Mauer gelangen. Sprich: Die Luft muss zirkulieren können. Möbel an Außenwänden sollten deshalb mindestens 5 cm von der Wand stehen. Auch nach unten hin sollen soll 8 bis 10 cm Abstand zum Fußboden eingehalten werden. Genau aus diesem Grund stehen „klassische“ oder „antike“ Möbel immer auf Füßchen. Raum­ecken sollen in schimmelgefährdeten Wohnungen grundsätzlich von Möbeln freigehalten werden.

Wer ist verantwortlich?

Wenn Mieter entdecken, dass sich in der Wohnung Schimmel festsetzt, sind sie verpflichtet, den Vermieter sofort zu informieren.

Oberflächlicher, nicht ausgedehnter Schimmelbefall muss vom Vermieter selbst beseitigt werden. Ist der Schimmelbefall gravierender, ist der  Vermieter für die Beseitigung des Schimmels verantwortlich.
Liegen die Ursachen für Schimmelbildung beim Mieter (etwa weil zu wenig gelüftet und nicht richtig geheizt wurde), kann der Mieter – in Objekten, die dem Mietrechtsgesetz unterliegen – Sanierungskosten zurückfordern. Unter Umständen ist es auch möglich, den Mieters wegen „nachteiligen Gebrauchs des Mietgegenstandes“ zu kündigen sowie Schadenersatz zu fordern. Es ist allerdings nicht immer eindeutig, wann den Mieter eine (Teil-)Schuld für das Schimmelproblem trifft. Grob gesagt, darf ihm nicht mehr zugemutet werden, als einer „normalen“ Lebensführung entspricht. Das betrifft zum Beispiel die Frequenz des Lüftens, aber auch, ob er Bilder an Außenwände hängen und Möbel direkt an die Wand stellen darf.
Bei Objekten, die nicht dem Mietrechtsgesetz unterliegen, können im Einzelfall die Erhaltungspflichten dem Mieter übertragen werden. Dann ist dieser für die Entfernung des Schimmels zuständig.

Wenn ein Mangel der Bausubstanz vorliegt, ist der Vermieter dazu angehalten, die Ursachen für Schimmel zu beseitigen. Dem Mieter kann Mietzinsminderung zustehen, wenn er nachweislich durch unverschuldete Schimmelbildung wesentlich beeinträchtigt wird.