29.11.2018

Maßnahmen bei Radonbelastung

Radon-Messkit der AGES

Radon-Messkit der AGES


Vor dem Bau eines Hauses rät die AGES dazu, sich auf der Radonpotenzialkarte über die Radongefährdung der Gemeinde zu informieren


Radonkarte Österreich: https://geogis.ages.at/GEOGIS_RADON.html


„Die Gefahr sollte keinesfalls ignoriert werden“, erläutert Dr. Wolfgang Rieger. „Wenn bei Neubauten Vorsorgemaßnahmen gemäß der ÖNORM getroffen werden, kostet dies weniger als 1 Prozent der Bausumme. Wenn sich später herausstellt, dass keine Vorsorge getroffen wurde und Handlungsbedarf besteht, kann dies viel teurer werden!“


Im Zusammenhang mit Baugenehmigungen verweist Rieger auch auf die Gemeinden: Wenn für radongefährdete Grundstücke Baugenehmigungen erteilt werden (also in Gemeinden der Radonpotenzialklassen 2 und 3), sollte auf jeden Fall der Bauwerber entsprechend informiert werden. Von Bodenuntersuchungen des Baugrundes rät die AGES ab. Sie sind teuer und sagen wenig über die spätere Radonbelastung im Gebäude aus.


Radonschutzmaßnahmen sind in der ÖNORM S 5280-2 geregelt. Die wesentlichste Maßnahme ist eine gute Abdichtung gegenüber dem Untergrund. Vom Land Oberösterreich werden Radonvorsorgemaßnahmen in Risikogebieten bei Neubauten gefördert.


Was ist vor dem Kauf eines Hauses zu tun?

Bevor man sich dazu entschließt, ein (neues oder gebrauchtes) Haus zu kaufen, sollte man sich darüber informieren, ob das Objekt radonbelastet ist.


Kurzzeitmessungen liefern erste Anhaltspunkte, aussagekräftig ist aber nur eine professionelle Langzeitmessung im Gebäude, wie sie von der AGES kostenlos angeboten wird. Im Kaufvertrag kann bestimmt werden, dass vor dem Kaufstichtag eine Radonmessung durchzuführen ist. Es kann auch geregelt werden, wer bei Bedarf für die Kosten einer möglichen Radonsanierung aufkommt.


Sanierungen bei Radonbelastungen

Wenn aufgrund einer Messung der Radonkonzentration Sanierungsbedarf festgestellt wird, soll in Zusammenarbeit mit Radonfachpersonen und Bausachverständigen ein Sanierungsplan erstellt werden. Anders als in der Schweiz und Bayern gibt es in Österreich noch keine spezielle Ausbildung für Radonfachpersonen.


Als Sofort-Maßnahme bei erhöhter Radonbelastung wird verstärktes Lüften empfohlen, gegebenenfalls auch die Umnutzung belasteter Räume zu Abstellräumen, Lagerräumen und dergleichen, in denen die Aufenthaltsdauer weniger lang ist als in Wohnräumen.


Zur Sanierung können verschiedene Maßnahmen herangezogen werden, die miteinander kombiniert werden können und die einander ergänzen. Die Kosten für eine Radonsanierung liegen bei 500 bis 3.000 Euro, abhängig von der Art der Maßnahme und der Eigenleistung.


Abdichtung zwischen Keller und den bewohnten Gebäudeteilen: Dies kann unter anderem erreicht werden durch selbstschließende, luftdichte Kellertüren, durch Abdichtung von Keller­decke-Durchbrüchen für Leitungen und Installationskanälen. Keller mit Naturboden sollten zu den Wohnräumen besonders gut abgedichtet sein. Noch besser, wenn sie ausschließlich von außen zugänglich sind.


Durch einen Druckausgleich zwischen Innen und Außen kann der Kamineffekt vermindert werden. Dies wird durch eine Lüftungsklappen nach außen über Erdniveau erreicht.


Es ist auch möglich, im Keller Unterdruck zu erzeugen um die Radonausbreitung in die oberen Geschoße zu reduzieren. Dies kann mit einem kleinen Ventilator erreicht werden, wobei das Kellergeschoß gegenüber den Wohnräumen abgedichtet sein muss. Mit dieser Methode steigt unter Umständen die Radonkonzentration in den Kellerräumen stark an. Wenn die Kellerräume längere Zeit über genützt werden (z. B. als Werkstatt) ist diese Methode nicht ratsam.


Mit einer Unterboden-Absaugung soll unterhalb der Bodenplatte – also noch außerhalb des Gebäudes – ein Unterdruck erzeugt werden, der den Eintritt radioaktiver Radon-Gase unterbindet. Es gibt mehrere Arten der Unterboden-Absaugung: Punktuell oder flächig, passiv oder durch elektrischen Ventilator. Die Möglichkeiten bzw. die Art der Ausführung hängt von der Beschaffenheit des Untergrundes ab.
Einzelne Räume können durch mechanische Zuluftanlagen saniert werden, wobei in den Räumen ein leichter Überdruck erzeugt wird. Voraussetzung ist, das Fenster und Türen ausreichend dicht schließen. Eine weitere Methode für einzelne Räume ist es, einen zusätzlichen Innenboden einzubauen und die Luft im Raum zwischen ursprünglichen Boden und Innenboden abzusaugen (aktiv oder passiv).


Bei Sanierungsmaßnahmen, die mit Unterdruck arbeiten ist zu beachten, dass es in seltenen Fällen bei offenen Feuerstellen zu unkontrollierten Emissionen von Kohlenmonoxid kommen kann.


Radonbelastung nach thermischer Sanierung
Thermische Sanierungen können die Radonkonzentration in Innenräumen beeinflussen: Es verändern sich durch die dichtere Gebäudehülle die Druckverhältnisse. Dadurch gelangt zwar weniger Radon ins Gebäudeinnere, aber die Luftaustauschrate sinkt. Deshalb ist meist mit einem Anstieg der Radonkonzentration zu rechnen.


Wenn die Fassenddämmung nicht fachgerecht durchgeführt wurde, kann es sein, dass zwischen Dämmschicht und Fassade Hohlräume entstehen. In diesen kann Bodenluft aufsteigen und über undichte Stellen in das Gebäude dringen. Es kann zu einem deutlichen Anstieg der Radonkonzentration in Innenräumen kommen.


Bei fachgerechter Ausführung der Dämmung werden die Dämmplatten entweder vollflächig mit der Fassade verklebt oder nach der Randwulst- Punkt-Methode befestigt. Hohlräume zwischen Dämmschicht und Fassade werden dadurch vermieden.


Unterdruck im Gebäude führt zum so genannten Kamin-Effekt. Unterdruck kann entstehen, wenn nur die untere Hälfte eines Gebäudes abgedichtet wird oder wenn Einzelraumfeuerungsanlagen (Kachelofen, Küchenherd, Kamin) in Betrieb genommen werden, ohne dass eine ausreichende Außenluftzufuhr vorhanden ist. Kontrollierte Wohnraumlüftung kann verhindern, dass dieser Unterdruck entsteht.