01.12.2012

Winterdienst: Einsatz bei Minusgraden

Kleine Werkzeug- und Materialkunde: Wie man Schnee und Glatteis auf Gehsteigen und Verkehrsflächen am effizientesten zu Leibe rückt.Bei kleineren Flächen und wenig Schneefall sind herkömmliche Schneeschaufeln das geeignete Räumwerkzeug. Schneeschaufeln aus Stahlblech sind stabil und können auch als Eis-stößer genützt werden. Ihr Nachteil ist, dass sie relativ schwer sind. Leichter sind Kunststoffschaufeln, die durch Rippenverstärkung Stabilität erhalten. Sie nutzen sich allerdings leichter ab, scharfe Ecken und Kanten werden rasch stumpf. Aluminium ist das Material der Wahl, wenn es auf Leichtigkeit ankommt. Aluminiumschaufeln sind allerdings wenig stabil.

Ein anderes Prinzip der Schneeräumung wird bei Schneewannen eingesetzt. Mit ihnen wird der Schnee geschoben und nicht gehoben, so ist die Bewegung von wesentlich größeren Schneemengen auf einmal möglich. Bei sehr nassem und schwerem Schnee erfordern Schneewannen allerdings ebenfalls hohen Kraftaufwand.

Schneeräumen mit Motorkraft

Zum Säubern größerer Flächen eignen sich motorisierte Schneefräsen. Mit einer rotierenden, schneckenförmigen Walze werden Schnee und Eis abgeschabt und gleichzeitig – nach dem Prinzip der archimedischen Schraube – zur Seite befördert, wo das Material mittels Zentrifugalkraft weggeschleudert wird. Handgeführte Motorschneefräsen werden zum Räumen von mittleren bis breiten Gehwegen, Auffahrten und Hinterhöfen eingesetzt. Befahrbare Schneefräsen lohnen sich nur für große Flächen wie Parkplätze.
Die Fahrgeschwindigkeit der Schneefräse ist abhängig von der Schneelast, ihre Dosierung erfordert etwas Erfahrung. Manche moderne Schneefräsen verfügen auch über einen Computer, der die optimale Fahrgeschwindigkeit errechnet und den Vortrieb regelt. Der Antrieb erfolgt elektrisch oder mit Verbrennungsmotor. Elektrogetriebene Schneefräsen sind leiser und eignen sich für den Einsatz im Siedlungs-
gebiet. Ihr Aktionsradius ist allerdings beschränkt, entweder durch die Länge des Kabels oder die Leistung des Akkus. Bei schwerem Schnee und großer Schneelast können schwachbrüstige Schneefräsen bald überfordert sein.
Die Firma Honda bietet auch Hybridfräsen an. Der Verbrennungsmotor treibt die Walze an und lädt gleichzeitig den Akkumulator auf. Der Vortrieb wird hingegen von zwei Elektromotoren übernommen.
Schneefräsen werden mit Rad- und mit Raupenantrieb angeboten. Raupen eignen sich besser für den Einsatz in unwegsamen Gelände und bei großen Neuschneemengen. Da Schneefräsen mit Raupenantrieb wesentlich teurer sind, bleibt ihr Einsatz meist auch auf diese Situationen beschränkt.

Weitere Eigenschaften, auf die man beim Kauf einer Schneefräse achten sollte, oder die einfach angenehmen Zusatznutzen bieten:

+ stufenlos regelbare Fahrgeschwindigkeit startfreudig auch bei tiefen Temperaturen
+ geräuscharm, geringe Lärmentwicklung
+ Kontrolle über den Auswurf und die Schneeablagerung – das Räumgut soll dort landen, wo man es haben will
+ Armaturen und Bedienungselemente sollen übersichtlich angeordnet sein und ausreichend Bedienungskomfort bieten.
+ Arbeitsscheinwerfer, da oft in Dämmerung und Dunkelheit gearbeitet wird
+ Elektroschneefräsen mit Akkus: Stromversorgung sollte für 45 bis 60 Minuten gewährleistet sein, ohne nachladen zu müssen
+ Räumbreite soll den Verhältnissen angepasst sein

Streumittel und Auftausalze

Das Ausbringen von Streusplitt und Tausalzen ist in den jeweiligen Winterdienstverordnungen geregelt. In Wien ist das Streuen von Schlacke, Asche, Quarzsplitt, Quarzsand und Beton-
recyclingsplitt verboten. Erlaubt sind Basaltsplitt, Dolomitsplitt oder Blähton. Diese abstumpfenden Streumittel müssen eine Korngroße zwischen zwei und acht Millimeter aufweisen, sie müssen kantig, staubarm und trocken sein und dürfen keine bindigen und schmierigen Bestandteile enthalten. Ein vorbeugendes Splittstreuen, bevor es noch geschneit oder gefroren hat, ist verboten.
Auftausalz oder Streusalz ist üblicherweise herkömmliches Kochsalz – mit natürlichen Nebenmineralien wie Calciumchlorid und Manesiumchlorid. Die Mischung besteht meist aus zumindest 98 % NaCl (Kochsalz). Die Wirkung besteht darin, dass der Gefrierpunkt des Eis-Salz-Gemisches auf bis zu -21 °C abgesenkt wird. Dies ist abhängig von der Salzkonzentration. Da mit zunehmender Verflüssigung des Eises die Sole verdünnt wird, also die Salzkonzentration sinkt, muss von vornherein genügend Salz gegeben werden.
Calciumchlorid (CaCl2) hat eine höhere Taugeschwindigkeit als NaCl und wird deshalb dort eingesetzt, wo es auf eine besonders rasche Tauung ankommt. Allerdings ist es etwa viermal so teuer wie Kochsalz, weshalb dieses bei Temperaturen bis -10 °C bevorzugt wird. Bei tiefen Temperaturen zwischen -8 °C und -20 °C ist eine Mischung aus NaCl und CaCl2 ausreichend. Salz wirkt immer nur in Lösung, also als Sole. Oft ist auf den Verkehrs-
flächen neben Eis und Schnee auch ein gewisser Anteil flüssigen Wassers vorhanden, so dass auch das Ausbringung von pulverförmigem Salz Wirkung zeigt. Die Körner lösen sich umso schneller, je kleiner sie sind.
Die Korngröße sollte daher zwischen  0,16 mm und 1,6 mm liegen. Das Aufbringen sollte gleichmäßig erfolgen um das Entstehen von „Eisinseln“ zu vermeiden. Gezieltes Ausbringen von Streugut ist mit Granulatstreuern möglich (Handelsname: Granomax)

Alternativen zur Salzstreuung

Der Einsatz von Kochsalz als Taumittel ist nicht unproblematisch. Zu den negativen Folgen zählt einerseits die Versalzung von Böden und damit die Schädigung der Vegetation. Ein besonders empfindlicher Straßenbaum ist die Linde, aber auch Ahorne, Rosskastanien, Eichen und Fichten sind wenig salztolerant.
Natrium- oder halogenidhältige Auftaumittel (darunter fällt Kochsalz) sind deshalb in der Wiener Winterdienstverordnung auf Gehsteigen und Gehwegen im Umkreis von zehn Meter rund um unversiegelte Flächen (Baumscheiben, Wiesen) verboten. Dies gilt nicht für öffentliche Stiegenanlagen und auch dann nicht, wenn durch bauliche Maßnahmen (Mauern) sichergestellt ist, dass kein Taumittel auf die unverbaute Fläche gelangt.
Darüber hinaus schädigt Streusalz bei Haustieren die Pfoten, da sie die empfindliche Haut in den Zehenzwischenräumen reizt. Bei Autos und anderen Fahrzeugen fördert Salz zudem die Korrosion.

Aus diesen Gründen gibt es eine Reihe salzfreier Auftaumittel mit entsprechenden Vor-und Nachteilen.
Stickstoffhältige Auftaumittel haben Harnstoff, Ammonsulfat und verschiedene andere Ammoniumverbindungen als Grundlage. Sie werden entweder als Streusalze angeboten oder mit Blähton gemischt. In der praktischen Anwendung sind sie nur bis ca. -6 °C wirksam, bei tieferen Temeperatuern müssen – im Vergleich zu Kochsalz – unverhältnismäßig größere Mengen ausgebracht werden.
Der Nachteil von stickstoffhältigen Auftaumitteln ist eine übermäßige Düngung des Bodens.  In der Kanalisation führen Harnstoff und Ammonsalz zu einer Freisetzung von Ammoniak. In Wien ist das Ausbringen von stickstoffhältigen Auftaumitteln deshalb verboten!
Eine pflanzenfreundlichere Alternative zu Kochsalz und Harnstoff ist Kaliumkarbonat. Kaliumkarbonat hat keine direkt phytotoxisch wirkenden Inhaltstoffe und ist deshalb pflanzenverträglicher. Es ist u.a. unter dem Handelsnamen Polar Ultra Grip erhältlich. Salz- und stickstofffrei sind auch Auftaumittel auf Basis von Kaliumformiat, unter anderem unter dem Handelsnamen Kryosilit erhältlich. Die optimale Einsatzgrenze liegt bei -11 °C, aureichend wirksam ist es bis -15 °C.