11.06.2015

Richtig Sanieren: Schimmel in Altbauten

Thermische Sanierungen bringen Wohnkomfort und Lebensqualität. Sie können aber auch unvorhergesehene Probleme schaffen: Kalte Ecken und Wärmebrücken in ansonsten dicht gedämmten Altbauten werden zu Brutstätten für Schimmel.

Klagen über Schimmel in Innenräumen haben in den letzten Jahren zugenommen. Häufig in Zusammenhang mit Sanierungen: In Räumen, in denen niemals zuvor Schimmel aufgetreten ist, zeigen sich nach Austausch der Fenster dunkle Flecken in den Ecken.

Gesundheitsgefährdung durch Schimmel
Schimmel ist nicht nur lästig, er ist vor allem gesundheitsgefährdend. Die von Schimmelpilzen freigesetzten Sporen sind für ein Drittel aller allergischen Erkrankungen verantwortlich. Die Symptome sind vielfältig und werden auf den ersten Blick oft nicht mit dem Schimmel in Verbindung gebracht. Dazu gehören Bindehaut-, Hals- und Nasenreizungen Husten, Kopfweh oder chronische Müdigkeit bis hin zu neurologischen und psychiatrischen Symptomen. Direkte Infektionen durch Schimmelpilze, so genannte Mykosen, sind seltener und treten vor allem bei Menschen auf, deren Immunsystem geschwächt ist. Sie sind – vor allem wenn die Lunge betroffen ist – hochgradig gefährlich.

Hauptsache feucht
Schimmel braucht Feuchte um zu wachsen. Wasserschäden und aufsteigende Bodenfeuchte sind die offensichtlichsten Ursachen. Die meisten Fälle von Schimmel in Innenräumen sind jedoch auf Kondensat zurückzuführen.
Kondensat entsteht, wenn Luftfeuchte an kalten Oberflächen vom gasförmigen in den flüssigen Zustand übergeht. Warme Luft kann mehr Feuchte halten als kalte Luft. Wenn nun warme Luft mit hoher relativer Luftfeuchte abgekühlt wird, so ist auf einmal mehr Wasser in der Luft als diese in Form von Dampf halten kann. Das Ergebnis: Das überschüssige Wasser wird flüssig und bildet Tröpfchen. Dieser Effekt lässt sich beobachten, wenn man im Winter eine Glasscheibe anhaucht. Unser Atem hat eine hohe Luftfeuchte und etwa Körpertemperatur. Am kalten Glas kondensiert der Wasserdampf des Atems – das Glas beschlägt sich.

Wärmebrücken lassen, Wasserdampf kondensieren
Die Luftfeuchte in Innenräumen kommt zu einem großen Teil aus dem Atem der Bewohner. Weitere Feuchtequellen sind Wäsche, die zum Trocknen aufgehängt wird und Wasserdampf aus dem Badezimmer nach dem Duschen und Baden. Zu einem Schimmelproblem kommt es, wenn die Feuchte an kalten Oberflächen kondensiert. Kalte Oberflächen gibt es auch in ansonsten gut isolierten Gebäuden. Es sind die so genannten Wärmebrücken – Bauteile über die Wärme rascher nach außen abgegeben wird aus über die (gedämmte) Wand.

Warme und kalte Mauern
Nicht jede Wärmebrücke ist auch eine Schimmelquelle, erklärt Bauphysiker Clemens Häusler. Ein Balkon, der von der Geschoßdecke nicht thermisch getrennt ist, leitet zwar viel Raumwärme ins Freie. Das ist aus thermisch-energetischer Sicht alles andere als ideal, weil man auf diese Weise quasi die Außenluft mitheizt. Die Innenoberfläche bleibt aber warm, sodass es zu keiner Kondensation im Raum kommt.
Anders ist dies bei Fehlstellen der Wärmedämmung (Fugen Schlitze, Einbauten, Undichtigkeiten, ...). In Bezug auf Schimmelproblematik besteht ein wesentlicher Unterschied zwischen Innen- und Außendämmung. Wird die Wand außen gedämmt, so wird die Bestandswand warm, wird sie innen gedämmt, so wird die Bestandswand kalt. Auf die Behaglichkeit im Inneren, also auf die Temperatur der Innenoberfläche, hat dies keinen Einfluss.
Aber: Sobald es Lücken in der Innendämmung gibt, kommt die Raumluft in Kontakt mit dem kalten Mauerwerk. Die Mauer wirkt dabei als Kühlrippe, welche die Wärme ableitet. Die kalte Stelle ist vielleicht nur klein und hat so gut wie keine Auswirkungen auf den energetischen Standard des Gebäudes. Aber es bildet sich Kondensat am kalten Bauteil und damit ist die Voraussetzung für Schimmel gegeben.
Eine Lücke in der Außendämmung hat diesen Effekt nicht. Bei der Außendämmung ist das Mauerwerk warm und der Wärmestrom sorgt dafür, dass keine Stelle unter dem Wert abkühlt, bei dem sich Kondensat bildet. Die Mauer wirkt in diesem Fall als Wärmepuffer.

Kalte Ecken
Problemzonen für Schimmel sind die Gebäudeecken, da hier das Verhältnis von (warmer) Innenseite zur (kalten) Maueraußenseite ungünstig ist. Wenn sich Schimmel in der Wohnung ausbreitet, dann geht er meist von einer Ecke aus. Diese „kalten Ecken“  sind mit Innendämmung nur schwer in den Griff zu bekommen – unabhängig vom Isoliermaterial.

Lieber kalt und trocken als feucht und kühl
Eine Rolle spielt dabei auch die Außentemperatur. Es muss ein Temperaturgefälle zwischen innen und außen herrschen. Das Problem beginnt bei etwa 5 °C Außentemperatur, wirklich kritisch wird es bei Temperaturen unter 0 °C. Darüber hinaus hat auch die allgemeine Luftfeuchte Einfluss: Feuchtes Atlantikwetter bei 0°C lässt den Schimmel gedeihen während trockene, kalte Luft aus Sibirien weniger Schaden anrichtet.

Altbauten: Vom „Vogelhaus“ zum Schimmelparadies?
Trotz der Schimmelproblematik kann eine Innendämmung sinnvoll sein, erklärt Häusler. In Altbauten mit strukturierter Fassade, wo eine Außendämmung nicht möglich ist, bringt eine Innendämmung mehr Wohnkomfort. Das gleiche gilt für den Austausch von Fenstern.
Man muss allerdings bedenken, dass eine dichte Gebäudehülle auch Einfluss auf die Raumluft hat.
In einem Altbau mit undichten Fenstern ist Schimmel kein Problem. Wenn es „zieht wie in einem Vogelhaus“, wird auch die Luftfeuchte nach außen abtransportiert. Dies ändert sich, wenn die Fenster abgedichtet oder erneuert werden. Dann wird die Raumluft nicht mehr – wie zuvor – 24 mal am Tag erneuert, sondern nur einmal pro Tag. Aus den bekannten Gründen (Atmung der Bewohner, Wäschetrocknen, Dunst aus dem Badezimmer) nimmt die Innenluft Wasser auf – und damit steigt die Gefahr, dass dieser Wasserdampf in kalten Ecken oder Lücken kondensiert. Eine Schimmelquelle entsteht.

Die Lösung: Trocken wohnen
Die einzig Lösung besteht in einem ausreichenden Luftwechsel. Da kalte Außenluft (absolut gesehen) trockener ist als warme Inneluft, also weniger Wasser enthält, sorgt man beim Lüften dafür, dass Wasserdampf abtransportiert wird.
Wie lüftet man richtig? Das Schlagwort heißt „bedarfsorientiert“. Da Menschen kein Organ haben, das Luftfeuchte wahrnimmt, muss die Luftfeuchte mit einem Messgerät, einem Hygrometer, festgestellt werden. Bei Neubauten (=Außendämmung) liegt die zulässige Raumluftfeuchte bei 60 bis 70 %, beim ungedämmten Bestand bzw. bei innengedämmten Gebäuden beginnt Kondensat bereits bei 40 bis 50 % Luftfeuchte. In kritischen Räumen soll sie sogar unter 40 % liegen.

Ein Problem des Lebensstils
Die Luftfeuchte in einem Raum ist auch abhängig vom Lebensstil. Kurz gesagt: Je mehr Leute in einem Raum atmen, duschen und waschen, desto höher ist auch die Luftfeuchte. Kinderlose, berufstätige Paare in einer großen Wohnung haben deshalb eher weniger mit Schimmel zu kämpfen als eine Familie mit Kleinkindern in einer kleinen Wohnung. Hier kann es – mit Blick auf das Hygrometer – dazu führen, dass man im Sinne eines „trockenen Wohnens“ alle zwei Stunden querlüften müsste, auch nachts. Da dies nicht zumutbar ist, lohnt sich die Investition in Haustechnik, welche das Lüften (eventuell mit Wärmerückgewinnung) automatisiert.

Fenstertausch nur mit begleitenden Maßnahmen gegen Schimmel
Ist bei einer Sanierung eine Außendämmung nicht möglich, so wird in den meisten Fällen auf eine Dämmung ganz verzichtet. Aber „Innendämmungen sindnotwendig, um die Behaglichkeit und damit die Wohnqualität zu heben“, zieht Clemens Häusler Fazit. „Was aber im Energieausweis keine Erwähnung findet: Ohne begleitende Maßnahmen züchtet man mit einem Fenstertausch in Altbauten gleichzeitig Schimmel.“