10.04.2015

Wenn bei Starkregen der Kanal den Keller überflutet

Foto: The Bees

Überflutungen im Keller, die durch Rückstau entstehen, verursachen Schaden, kosten Kraft und Geld. Langandauernde starke Niederschläge können die Aufnahmefähigkeit des öffentlichen Kanalnetzes völlig überlasten.

Immer wieder kommt es vor, dass bei Starkregenereignissen Keller überflutet
werden. Aber nicht weil sie neben einem über die Ufer getretenen Fluss gebaut wurden, sondern weil der Rückstau das Wasser aus dem Kanal in die Keller treibt.
Dieses Phänomen dürfte sowohl Hausbesitzern als auch der Wien Kanal wohl bekannt sein. Installateur und Bundesinnungsmeister KR Ing. Michael Mattes erklärt: „Für die vermehrte Flutung von Räumlichkeiten unter der Rückstauebene gibt es jede Menge Gründe: Extremer, kurzzeitig starker Regen, mehr Anschlüsse durch Verdichtung (Dachbodenausbauten, Aufstockungen, Lückenverbauung), mehr Einleitung von Schmutzwasser pro Fläche und in die Jahre gekommene Kanalsysteme.“
Wenn es also länger stark regnet, kann es vorkommen, dass das Kanalsystem überlastet ist. Es kommt zum Rückstau: Wasser staut bis zur Straßenoberkante und drückt zurück ins Haus. In Räumen, die unterhalb der Rückstauebene (entweder die Gehsteigoberkante oder Straßenniveau plus
10 cm) liegen, treten bei ungesicherten Waschbecken, nicht mehr ganz schließenden Putzstückdeckeln oder WCs die Wassermassen in den Kellerraum und überfluten ihn.

Korrekte Sicherung vor Rückstau

Die für Hauskanalanlagen gültige ÖNORM B 2501 gibt es seit 1951. Sie sieht in der gültigen Version eine Sicherung vor Rückstau vor. Sie gilt für neu errichtete Anlagen, kommt aber laut Wien Kanal auch bei einem Umbau oder einer Sanierung zur Anwendung. Laut Normungsinstitut „Austrian Standard“ wird die Norm derzeit bearbeitet und wird vorraussichtlch ab ab 2015 auch ein Kapitel über die „Sanierung im Altbestand“ enthalten.
„Alles was unter der Rückstauebene liegt, darf nicht direkt in den Hauskanal eingeleitet werden, sondern es muss ein eigenes Kanalsystem angelegt werden und in einen Behälter gesammel werden. Eine Hebeeinrichtung pumpt das Abwasser dann über die Rückstauebene hinauf, von dort rinnt es mit dem normalen Gefälle weg. Auch die Putzdeckel müssen dem Druck der Wassersäule standhalten können. Mit dieser Art der Installation kann man die Überflutungen verhindern“, erklärt Mattes. „Dagegen helfen Rückstauklappen in Gründerzeithäusern oft nicht weiter, weil diese zwar den Rückstau verhindern, dafür aber das Regenwasser vom Dach und ev. Abwässer aus dem Haus nicht abfließen können und dadurch erst recht eine Überschwemmung entsteht“,
ergänzt Mattes.