15.06.2020

Aufzüge: Zuverlässig und unscheinbar

Moderne Aufzüge sind unauffällig. Sie sollen in erster Linie sauber sein und vor allem verlässlich funktionieren.

Welche Ansprüche stellen die Bewohner eines Mietshauses an ihren Aufzug? Ein Aufzughersteller wollte es genau wissen und gab eine Umfrage in Auftrag.  Wenig überraschend sollte der Aufzug vor allem sauber sein und sicher funktionieren.


Aufzüge bewegen: Innerhalb von zwei Werktagen schaufeln Österreichs Fahrstühle das zahlenmäßige Äquivalent der heimischen Bevölkerung nach oben bzw. unten. Aufzüge sind Maschinen im Dauereinsatz. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an Technik und Material. Aufmerksam wird man auf sie erst, wenn sie einmal nicht funktionieren.


Es stimmt: Ausfälle kommen immer wieder vor. Im „Otis Aufzugs-Check“, einer repräsentativen Umfrage eines internationalen Aufzugherstellers, gaben rund ein Drittel der Befragten an, mindestens einmal in einem Aufzug steckengeblieben zu sein. Wirklich gefährlich wird es für Fahrgäste aber nur in extremen Ausnahmefällen: Der Aufzug saust bei einem Betriebsausfalle weder in die Tiefe noch muss man in der Aufzugskabine er­sticken. Jede Aufzugskabine ist mit einem Notrufknopf ausgestattet, über den man Hilfe rufen kann. In der Regel werden Eingschlossene innerhalb einer halben Stunde aus ihrer misslichen Situation befreit.


Die Frage nach dem sichersten Verkehrsmittel hat zwar wenig Aussagekraft (und man ahnt, dass hier nicht Äpfel mit Birnen sondern vielmehr Erdbeeren mit Kokosnüssen verglichen werden), aber lassen wir einmal einen Vertreter der Aufzugsindustrie zu Wort kommen: „Leider wissen nur 14,8 % der Befragen, dass der Aufzug das sicherste Verkehrsmittel ist. Hier ist also noch allerhand Bewusstseinsarbeit unserer Branche notwendig“, kommentiert DI Roman Teichert, Geschäftsführer von Otis Österreich.


Der Aufzug als „Wohlfühloase“?

In den Jahrzehnten rund um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert waren Aufzüge repräsentative Anlagen, auf welche die Hausherren stolz waren. Heute verschwinden Aufzüge hinter schlichten Edelstahltüren. Die Ästhetik des Aufzugs spielt für Hausherren und Architekten keine große Rolle. Sie sollen sicher und leise funktionieren, aber nicht weiter auffallen.


Ästhetische Präferenzen spielen auch für Aufzugs-Benutzer nur eine geringe Rolle. Die meisten Befragten (94,7 Prozent) nannten Sauberkeit der Fahrkabine als wichtigstes Kriterium für eine gelungene Aufzugsfahrt. Immerhin 83,5 Prozent gaben an, sich während eine Aufzugsfahrt sehr wohl oder zumindest eher wohl zu fühlen. Beachtlich ist das Missverhältnis zwischen den Geschlechtern in dieser Frage:  Während 47 % der Männer angeben, sich beim Aufzugfahren „sehr wohl“ zu fühlen, taten dies nur 29,1 % der Frauen.


Als vollständige Fahrstuhlverweigerer bezeichneten sich lediglich 1,6 Prozent der Befragten.


Lieber allein als mit Fremden  im Lift (und auch nicht mit dem Chef)

Im Unterschied zu den Wünschen der Architekten und Bauherren, welche kleine Aufzüge bevorzugen, um wertvolle Nutzfläche zu sparen, wünschen sich die Benutzer viel Platz im Lift. Den Mitfahrenden will man lieber nicht zu nahe kommen. Auch wird die gemeinsame Fahrt nur selten zum Plaudern oder zum Kennenlernen genutzt: 70 Prozent der Befragten schweigen während der Liftfahrt, nur 21,8 Prozent pflegen Small Talk. Wenn bereits zu viele Menschen auf den Aufzug warten, entscheiden sich vor allem Jugendliche für die Treppe. Auch mit suspekt erscheinenden Personen will man nicht in den Aufzug steigen: 36,5 Prozent der Frauen und 22 Prozent der Männer geben an, in diesem Fall den Aufzug zu meiden. Übrigens: Auch mit dem eigenen Chef will die Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher lieber nicht gemeinsam Lift fahren.


Sicherheit geht vor

In der eigenen Privatsphäre will man nicht so gerne beobachtet und abgehört werden. Eine Ausnahme macht man im Aufzug. Mehr als ein Drittel der Befragten (34 Prozent) wünscht sich hier mehr Sicherheitskameras und Mikrofone sowie eine ständige Überwachung. Es sind vor allem die älteren Semester, welche eine permanente Kontrolle wollen. Diese Personengruppe gab auch an, auf Barrierefreiheit besonders viel Wert zu legen. Ein Wunsch, der bei modernen Liften meist schon erfüllt ist.
Unter Jugendlichen ist hingegen der Wunsch nach Vernetzung weit verbreitet: 25,3 Prozent der 14–19-Jährigen stehen einer Vernetzung des Aufzugs via App aufgeschlossen gegenüber. Aufzugsapps ermöglichen es, den Aufzug mit dem Smartphone zu rufen. Dann steht der Lift bereit, wenn man ihn braucht – Wartezeiten entfallen. Zusätzlicher Nutzen: Man vermeidet Hautkontakt mit dem Rufknopf und reduziert damit – In der jetzigen Sitation besonders aktuell – die Ansteckungsgefahr. Hausverwaltungen und Eigentümern haben mit dieser App die Möglichkeit einer erweiterten Zugangskontrolle.


Aufzüge sind stark benspruchte Maschinen und müssen regelmäßig gewartet werden. „Vernetzte“ Aufzüge werden laufend aus der Ferne überwacht. Sensoren im Aufzug zeichnenVibrationen, Temperatur, Geschwindigkeit und andere Daten auf, die im laufenden Betrieb anfallen.  Diese Daten geben Auskunft über den „Gesundheitszustand“ des Aufzugs und erlauben Prognosen, wann mit Funktionsstörungen aufgrund von Materialermüdung etc. zu rechnen ist. Reparaturen können durchgeführt werden, noch bevor es zu einer Betriebsstörung kommt.


Der Aufzug der Zukunft

Barrierefreiheit und Sicherheit sind zentrale Ansprüche an den „Aufzug der Zukunft“. Aspekte, die vor allem auch in Hinblick auf eine alternde Gesellschaft zum Werterhalt eines Hauses beitragen. Ein immer öfter genanntes Argument bei der Wahl eines Fahrstuhls ist eine „ökologische Fahrweise“. Was in vielen Ländern bereits Standard ist, ist in Österreich noch eher die Ausnahme: Ein energieautarker Aufzug, der Bremsenergie in elektrischen Strom umwandelt und wieder ins Netz zurückspeist, und der direkt aus alternativen Enerigiequellen wie Solarpanelen am Aufzugsschacht betrieben werden kann. Zusätzlicher Pluspunkt: Energieautarke Lifte funktioneiren auch bei Stromausfall.