15.07.2021

Aus für Heizöl und Gas. Wie geht’s weiter?

In der Biogasanlage in Margarethen am Moos werden landwirtschaftlichen Abfälle zu „Grünem Gas“ verarbeitet.

Es ist beschlossen: Österreich soll künftig seine Wohnungen ohne Öl, Gas und Kohle heizen. Konkrete Vorgaben, wie etwa Gasthermen in Altbauten ersetzt werden sollen, liegen bislang noch nicht vor.


Vertreter des Umwelt- und des Finanzministeriums haben sich mit den Bundesländern darauf geeinigt, dass im Jahr 2035 die letzten Kohle- und Ölheizungen außer Betrieb gestellt werden sollen. Der Ausstieg aus Erdgasheizungen für Raumwärme ist bis 2040 geplant.

Ab 2022 dürfen alte Kohle- und Ölheizungen nicht mehr durch neue fossile Heizungen ersetzt werden. Ab diesem Zeitpunkt ist nur mehr der Einbau von klimafreundlichen Heiz-
systemen erlaubt. Ab 2025 sind Kohle- und Ölkessel im Bestand, die ein bestimmtes Alter erreicht haben, auszutauschen. Analog dazu ist der Ausstieg aus Gas vorgesehen. Ab 2025 gilt ein Einbauverbot von neuen Gasheizsystemen. Bis 2040 soll der komplette Ausstieg aus Gasheizungssystemen vollzogen sein.

Keine fossilen Energieträger im Neubau
Die Stadt Wien will bis Ende 2021 sämtliche Bezirke als Klimaschutz-Gebiete ausweisen. Das bedeutet, dass Heizung, Kühlung und Warmwasseraufbereitung bei sämtlichen neu errichteten Gebäuden entweder über erneuerbare Energie oder über Fernwärme erfolgen muss. In Wesentlichen sind folgende Varianten vorgesehen:

  • Anschluss an ein Fern- beziehungsweise Nahwärmenetz, wenn die Energie ganz oder teilweise (mindestens zu 80 %) aus erneuerbaren Quellen oder aus hocheffizienten Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen stammt.
  • Dezentrale Energieversorgungssysteme auf Basis erneuerbarer Energiequellen (Wärmepumpen, Biomasseheizungen, Solarenergie etc.), sofern dabei das Immissionsschutzgesetz Luft (IG-L) berücksichtigt wird.
  • Nutzung von Abwärme
  • Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, die Strom produzieren und die dabei entstehende Abwärme in ein Wärmenetz speisen.

 

Zurzeit liegt der Anteil der Fernwärme in Wien bei 40 %, Gas hat einen Anteil von 42 % bei der Raumheizung.

In ganz Österreich heizen noch mehr als eine halbe Million Haushalte mit Öl und etwa eine Million Haushalte mit Gas. Während es für Neubauten einen relativ geringen Aufwand bedeutet, das Haus mit alternativen Heizsystemen auszustatten, ist ein Wechsel im Bestand oft nur schwer möglich oder stellt die Eigentümer vor große technische und finanzielle Herausforderungen.

„Grünes Gas“ statt Erdgas

Der Fachverband der Gas- und Wärmeversorgungsunternehmungen (FGW) kritisiert eine mangelnde „Technologieoffenheit“ bei den Vorgaben von Staat und Ländern und warnt vor Verboten bestimmter Technologien. Dies betreffe vor allem die Gas-Infrastruktur.  

Im Unterschied zu Ökostrominfrastruktur stehen Gasnetze bereits jetzt bereit, so der FGW. Dieses könne im Zuge der Energiewende zum Verteilen von „Grünem Gas“ – also erneuerbarem Gas genützt werden. Dazu zählt Wasserstoff, Biogas und Biomethan. Bereits jetzt werden in die Gasnetze bis zu zehn Prozent Wasserstoff eingespeist. Dieser könne auch von bestehenden Erdgas-Heizsystemen problemlos verbrannt werden. Wasserstoff-Technologie könne zudem dafür genutzt werden, um überschüssige Energie aus dem Sommer für den Winter zu speichern. Konkret bedeutet das, Ökostrom-Reserven in Wasserstoff umzuwandeln und zu lagern bis diese Energie benötigt wird, erklärt Michael Haselauer, Präsident der Österreichischen Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW).

Die Umstellung der Vorsorgung von fossilem auf Grünes Gas sei machbar, so der FGW.  Wasserstoff, synthetisches Methan oder Biomethan aus biogenen Rohstoffen kommen als Alternativen zu Erdgas in Frage. „Was allerdings fehlt, sind klare Rahmenbedingungen für Investitionen in Grünes Gas und zur Steigerung des Anteils von Grünem Gas im Gasnetz. Hier ist die Politik säumig“, sagt Mag. Michael Mock, Geschäftsführer des Fachverbands.

Grünes Gas und seine Grenzen
Anders sehen dies Johannes Schmidt und Sebastian Wehrle von der Universität für Bodenkultur. Aufgrund der Beschränktheit an ungenutzten Roh- und Reststoffen, die für die Erzeugung von Biomethan herangezogen werden können, prognostizieren die beiden Wissenschafter einen Konflikt mit der Lebens- und Futtermittelbranche. Für die Produktion großer Wasserstoffmengen brauche es außerdem viel zusätzlichen, erneuerbaren Strom.

„Grüne Gase sind derzeit nur mit hohem Kostenaufwand und mit hohem Flächenbedarf bei der Erzeugung der Ausgangssubstanzen zu erzeugen. Deshalb  sollten Grüne Gase nur dort eingesetzt werden, wo es keine effizientere Alternative gibt. In vielen Fällen ist der direkte Einsatz von Strom dem Einsatz von Grünem Gas vorzuziehen. Dies gilt vor allem für die private Wärmeversorgung und den Individualverkehr“, so Wehrle. Wasserstoff könne aber eine wichtige Rolle als Energiespeicher spielen. In Kombination mit Fernwärme-Gaskraftwerken könnten Stromüberschüsse aus regenerierbaren Quellen aus dem Sommer in den Winter gebracht werden.

Wärme aus Abwasser
Beim Duschen, Wäschewaschen und Geschirrspülen fließt warmes Wasser großteils ungenutzt in den Kanal. Um dieses Potenzial zu heben, fördert der Klima- und Energiefonds die Gewinnung von thermischer Energie aus dem Abwasser.

Das Prinzip: Mittels Wärmetauscher wird dem Abwasser Wärmeenergie entzogen und mit Wärmepumpen auf das benötigte Temperaturniveau gebracht. Damit können etwa umliegende Abnehmer direkt mit Wärme versorgt oder die Wärmeenergie in das Fernwärmenetz eingespeist werden.

Ziel des Förderprogramms ist es einerseits, Machbarkeitsstudien für konkrete Projekte  und Potentialstudien für ganze Kanalnetze zu beauftragen. Andererseits werden Investitionsprojekte zur Gewinnung von thermischer Energie aus dem Abwasser zur Eigenversorgung und die Einbindung der rückgewonnenen Energie in Nah- und Fernwärmenetze, mit einer Leistungskapazität bis zu einem Megawatt, gefördert.