14.05.2015

Von Lärm, Schall und Geräusch

Trittschall wird über Wände und Decken in andere Räume übertragen.

Immobilien in Ruhelagen sind insbesondere in Ballungszentren hoch begehrt. Ein ständiger hoher Lärmpegel hingegen kann chronische Krankheiten fördern.  Lärm kommt aber nicht nur von draußen, von der Straße – auch die Schall-
übertragung innerhalb eines Hauses kann extrem störend sein.
Lärm ist störendes Geräusch. Das heißt, dass „Lärm“ nicht objektiv messbar ist! Messen kann man nur den Schall, der auf ein bestimmtes Objekt trifft, den so genannten Schalldruck. Ob dieser Schall als störender „Lärm“ wahrgenommen wird, liegt an mehreren Faktoren. Zum einen am subjektiven Empfinden (hierzu zählen auch der Musikgeschmack und die momentane Stimmung). Auch die Zusammensetzung des Geräusches spielt eine Roll – darunter versteht man die verschiedenen Frequenzen, aus denen sich das Geräusch zusammensetzt und die Verteilung dieser Frequenzen. So kommt es, dass wir das Rauschen des Meeres eher angenehm finden, Verkehrslärm hingegen störend. Auch wenn beide Geräusche denselben Schalldruck ausüben.

Lärmbelastung nachFassadendämmung?

Bei einem niedrigen Grundgeräuschpegel wird man auf Lärm eher aufmerksam und empfindet bereits leise Geräusche als belästigend. Nach einer Fassadendämmung (die auch als Schallschutz wirkt) kann es vorkommen, dass die Bewohner Geräusche aus der Nachbarwohnung deutlicher und störender wahrnehmen als zuvor – obwohl die Nachbarn nicht lauter geworden sind. Dies macht es erforderlich, in ruhiger Umgebung auch der Schalldämmung zwischen den einzelnen Räumen besondere Beachtung zu schenken.

Lärm und Gesundheit

Hohe Lautstärken könnten das Gehör beschädigen. Aber auch ein geringerer Geräuschpegel hat gesundheitliche Folgen. Dazu zählen Schlafstörungen, Stresssymptome und auch kreislaufbedingte Erkrankungen. Einer Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge ist Verkehrslärm nach Luftverschmutzung das Umweltproblem mit den zweitstärksten Auswirkungen auf die Gesundheit. Der Mikrozensus „Umweltbedingungen, Umweltverhalten“ der Statistik Austria aus dem Jahr 2011 ergab, dass sich 40 Prozent der Bevölkerung durch Lärm gestört fühlen. 3,7 Prozent bezeichneten die Beeinträchtigung sogar als „sehr stark“.
Ausgehend von medizinischen Überlegungen empfiehlt die  WHO für die Nacht einen jährlich durchschnittlichen Geräuschpegel (exakt: Schalldruckpegel) von maximal 40 Dezibel (dB). Das entspricht dem Geräusch-
pegel einer ruhigen Straße.  Als Minimalziel sollte gelten, dass ein Wert von 55 dB nicht überschritten wird.
Da es sich bei Dezibel um eine logarithmische Maßeinheit handelt, bedeutet eine Erhöhung des Schalldrucks um 10 dB dass sich die Anzahl der Schallquellen verdoppelt hat oder dass die empfundene Lautstärke ungefähr doppelt so hoch ist.

Genormtes Geräusch

Das menschliche Ohr ist nicht für alle Frequenzen gleich empfindlich. Tiefe Töne werden nicht so laut wahrgenommen wie hohe Töne. Dies wird in der Messgröße des A-bewerteten Schalldruckpegels LA berücksichtigt. Diese Messgröße wird in allen einschlägigen österreichischen Gesetzen, Normen und Richtlinien verwendet.
Eine weiter wichtige Messgröße ist der energieäquivalente Dauerschallpegel LA,eq. Dieser dient dazu, Lärmbelastungen für einen Zeitraum anzugeben – im Unterschied zu LA, der die Belastung im jeweiligen Moment angibt. Der energieäquivalente Dauerschallpegel LA,eq  wird für die Festlegung von Grenzwerten herangezogen.
Der Lärm bleibt draußen
Ruhige Wohnungen sind zweifellos begehrt. Aber nicht jede Wohnung befindet sich in einer Ruhelage. Es müssen also Vorkehrungen getroffen werden, um den Lärm draußen zu halten.
Lärm von der Straße wird durch die Außenwände gedämpft, die in der Regel aus mehreren Elementen bestehen – Mauern, Fenstern, Türen etc. Diese weisen aber unterschiedliche Schalldämmungen auf. Für Bauvorschriften wird deshalb die Schalldämmung der gesamten Außenwand betrachtet, die sich aus der Schalldämmung der einzelnen Bauteile zusammensetzt.
Einerseits müssen laut ÖNORM Fenster mindestens 30 dB Schalldämmung aufweisen. Andererseits darf der Schalldämmwert der Fenster jenen der gesamten Außenwand höchstens um 5 dB unterschreiten.
Wenn Nachbarn lärmen
Schall und Lärm breitet sich auch innerhalb eines Hauses von Wohnung zu Wohnung aus. Hier wird unterschieden zwischen Luftschall und Trittschall. Luftschall wird – wie der Name schon sagt – über die Luft übertragen. Trittschall entsteht durch Schritte auf dem Fußboden, durch Dinge, die zu Boden fallen, rollende Gegenstände, vibrierende Waschmaschinen und ähnlichem. Der Schall wird dabei über Wände und Decken in andere Räume übertragen. Trittschall lässt sich am besten durch eine  große Masse der Geschoßdecke und eine Entkopplung der Bauteile dämpfen – zum Beispiel mit zweischalige Wänden mit dazwischen liegender Isolierung. Trittschalldämmplatten beim Fußbodenaufbau federn Schwingungen ab und wirken durch ihre Masse. Bei schwimmend verlegten Böden sollte man unbedingt auch auf das Verlegen von Winkelrandstreifen achten, welche den schwimmenden Estrich von Wänden, Türstöcken und Rohrleitungen trennen und so Schallbrücken vermeiden. So genannte Flüstertreppen produzieren weniger Trittschall durch weiche Stufenbeläge und einer Entkopplung der Auflagepunkte von den angrenzenden Wänden und Decken.

Schallschutzausweis

Seit April 2012 liegt mit der ÖNORM
B 8115-5 eine Klassifizierung des Luftschall- und Trittschallschutzes im Gebäudeinneren sowie des Schallschutzes haustechnischer Anlagen vor. Damit soll der Weg zu einem Schallschutzausweis für Bauwerke geebnet werden. Dieser soll über die erreichte Schallschutzklasse eines Gebäudes oder eines Raumes Auskunft geben.
Die Klassifizierungen sind an jene des Energieausweises angelehnt und reichen von A bis E. Die Schallschutzklasse C entspricht dabei den Mindestanforderungen für Neubauten.
Die Schallschutzklassen A und B berücksichtigen insbesondere die niederfrequenten (tiefen) Anteile bei der Luft- und Trittschalldämmung. Eine Vorausberechnung ist hier nicht möglich, erst durch eine Messung vor Ort kann über eine Einstufung und Klassifizierung entschieden werden.
Die Einteilungen soll auch Nicht-Fachleuten eine einfache Beurteilung der schallschutztechnischen Qualität von Neu- und Bestandsbauten ermöglichen. Die Klassifizierung nach ÖN B 8115-5 ist derzeit eine rein freiwillige Angabe. Sie kann aber für die Gebäude- oder Immobilienbewertung herangezogen werden. Insbesondere fließt die Klassifizierung auch in das Gebäudebewertungssystem IBO ÖKOPASS ein, der eine umfassende Gebäudebewertung nach ökologischen, okonomischen und sozialen Nachhaltigkeitskriterien vorsieht.n