Anspruchs­lo­se Tro­cken­pflan­zen oder Gar­ten­pa­ra­die­se mit bun­ten Stau­den, Gemü­se­bee­ten und Obst­bäu­men: Grü­ne Dächer brin­gen ein Stück Natur zurück in die Stadt – und den Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­nern ein Stück Lebens­qua­li­tät.

Dächer sind nicht nur da, damit es nicht ins Haus reg­net. Die­se Flä­che unter frei­em Him­mel lässt sich viel­fach nut­zen: Auf ihr wer­den Solar­an­la­gen, Pho­to­vol­ta­ik­mo­du­le oder Wär­me­pum­pen instal­liert. Auf Dächern kön­nen Grün­flä­chen und Blu­men­wie­sen gedei­hen und manch­mal bie­ten sie auch Platz für rich­ti­ge Gär­ten mit klei­nen Obst­bäu­men, Gemü­se­beet und einer Ter­ras­se.

Üppig oder redu­ziert
Nicht jedes Dach ist für einen Dach­gar­ten geeig­net, aber es gibt vie­le Vari­an­ten der Begrü­nung für unter­schied­li­che Situa­tio­nen. All­ge­mein unter­schei­det man zwi­schen inten­si­ver und exten­si­ver Begrü­nung. Der Unter­schied liegt einer­seits im Auf­bau, ande­rer­seits in der Nut­zung.

Exten­si­ve Begrü­nung meint ein ein­fa­ches „Grü­nes Dach“ aus klein­wüch­si­gen, anspruchs­lo­sen Pflan­zen, das wenig Pfle­ge braucht und im All­ge­mei­nen nicht betre­ten wird. Sol­che Grün­dä­cher sind kei­ne neue Ent­wick­lung. In Skan­di­na­vi­en haben Grü­ne Dächer eine Tra­di­ti­on, die bis in die Wikin­ger­zeit zurück­reicht. Auch Press­häu­ser in nie­der­ös­ter­rei­chi­schen Kel­ler­gas­sen sind seit alters her oft mit Gras­so­den gedeckt.

Inten­si­ve Begrü­nung ist auf­wän­di­ger. Dabei han­delt es sich meist um rich­ti­ge Gär­ten – nur eben auf dem Dach. Ein Dach­gar­ten kann betre­ten und auch zum Anbau von Obst und Gemü­se genutzt wer­den. Er ist aller­dings auch schwe­rer als eine exten­si­ve Begrü­nung und des­halb nicht auf jedem Dach mög­lich. Zwi­schen inten­si­ver und exten­si­ver Begrü­nung gibt es Über­gangs- und Misch­for­men – Dach­be­grü­nun­gen sind kei­ne Lösun­gen von der Stan­ge.

Vor­aus­set­zun­gen
Flach­dä­cher sind grund­sätz­lich ein­fa­cher zu begrü­nen, es ist dabei jedoch zu beach­ten, dass ein Min­dest­ge­fäl­le von etwa 5 % vor­han­den sein soll­te, um Regen­was­ser abrin­nen zu las­sen. Je stär­ker das Gefäl­le, des­to höher die Abfluss­ge­schwin­dig­keit. Es kann also weni­ger Was­ser im Sub­strat gespei­chert wer­den – das wirkt sich auf die Pflan­zen­aus­wahl aus.

Mit einer Dach­nei­gung ab etwa 10 % steigt auch die Ero­si­ons­ge­fahr, also die Gefahr, dass Sub­strat durch Regen abge­schwemmt wird. Dies muss bei der Wahl des Sub­strats berück­sich­tigt wer­den: Ab einer Dach­nei­gung von 9 % müs­sen Maß­nah­men gegen das Abrut­schen des Wur­zel­schut­zes getrof­fen wer­den, ab einer Nei­gung von etwa 27 % müs­sen Schub­si­che­run­gen ein­ge­baut wer­den, die den gesam­ten Dach­auf­bau am Abrut­schen hin­dern.

Begrü­nun­gen bzw. Dach­gär­ten sind laut Norm auf Dächern bis 58 % rea­li­sier­bar, wobei auf stark geneig­ten Dächern nur eine Exten­siv­be­grü­nung mög­lich ist. Die Dach­nei­gung wirkt sich nicht nur auf das Was­ser­an­ge­bot für Pflan­zen aus (stei­le­re Dächer haben weni­ger Was­ser­rück­halt), son­dern auch auf die Tem­pe­ra­tur. Stei­le­re Dächer, die gegen Süden ori­en­tiert sind, bekom­men mehr Son­nen­ein­strah­lung als Flach­dä­cher. Das muss bei der Wahl des Sub­strats und vor allem der Pflan­zen­aus­wahl berück­sich­tigt wer­den.

Der Auf­bau
Der Auf­bau eines begrün­ten Daches besteht aus meh­re­ren Schich­ten und ist abhän­gig von der Dach­kon­struk­ti­on.

Das Warm­dach ist ein ein­scha­li­ges Dach, bei dem die Decke des dar­un­ter lie­gen­den Raums gleich­zei­tig die Dach­kon­struk­ti­on ist. Direkt über der Trag­kon­struk­ti­on (z. B. aus Stahl­be­ton) kommt eine Dampf­sper­re. Dar­über eine Wär­me­däm­mung, die nach außen hin abge­dich­tet wird. Wel­che Wär­me­däm­mung in Fra­ge kommt, ist im Ein­zel­fall zu klä­ren. Es hängt unter ande­rem davon ab, mit wel­cher Druck­be­las­tung zu rech­nen ist. Über der Abdich­tung kommt eine Dräns­chicht – sie dient der Abfuhr von durch­si­ckern­dem Regen­was­ser –, eine Fil­ter­schicht und schließ­lich die Vege­ta­ti­ons­schicht mit dem Sub­strat, in dem die Bepflan­zung wur­zelt.

Bei nicht beheiz­ten Gebäu­den wie Gara­gen oder Car­ports kann auf eine Wär­me­däm­mung ver­zich­tet wer­den. Zu beach­ten ist, dass hier mit wesent­lich nied­ri­ge­ren Tem­pe­ra­tu­ren zu rech­nen ist und es im gesam­ten Auf­bau zu Frost kom­men kann. Die ver­wen­de­ten Pflan­zen müs­sen daher eine erhöh­te Käl­te­to­le­ranz auf­wei­sen.

Das Kalt­dach besteht aus zwei getrenn­ten „Scha­len“. Die unte­re Scha­le besteht aus Dampf­sper­re und Wär­me­däm­mung. Dar­auf folgt ein durch­lüf­te­ter Zwi­schen­raum und erst danach die zwei­te Scha­le mit Dach­dich­tung, Dräns­chicht, Fil­ter­schicht und Vege­ta­ti­ons­schicht. Der Vor­teil besteht dar­in, dass durch den Luft­strom etwa­ige Rest­feuch­te in der Wär­me­däm­mung lau­fend abtrans­por­tiert wird. Die­se Kon­struk­ti­on ist auf­wän­di­ger; ins­be­son­de­re muss beach­tet wer­den, dass die Kon­struk­ti­on der obe­ren Scha­le trag­fä­hig und aus­rei­chend belast­bar ist.

Das Umkehr­dach ist eine ein­scha­li­ge Kon­struk­ti­on, bei der die Wär­me­däm­mung über der Abdich­tung liegt. Regen- und Gieß­was­ser, das nicht in der Vege­ta­ti­ons­schicht gespei­chert wird, durch­dringt die Dämm­schicht und wird erst dar­un­ter über die Abdich­tung abge­führt. Die ver­wen­de­ten Dämm­stof­fe dür­fen kein Was­ser auf­neh­men, und der dar­über lie­gen­de Auf­bau muss weit­ge­hend dampf­durch­läs­sig sein, damit es zu kei­nem Kon­dens­was­ser­stau kommt. Drän- und Vege­ta­ti­ons­schicht müs­sen also grob­kör­nig sein. Das wirkt sich nega­tiv auf ihre Was­ser­hal­te­ka­pa­zi­tät aus – die ver­wen­de­ten Pflan­zen müs­sen stär­ker an Tro­cken­heit ange­passt sein.
Die Dräns­chicht dient dazu, Was­ser abzu­trans­por­tie­ren. Zusätz­lich ver­teilt sie auch das auf ihr las­ten­de Gewicht. Als preis­wer­te Mate­ria­li­en eig­nen sich Sand, Kies, Splitt und Schot­ter. Die­se haben aller­dings kaum Was­ser­spei­cher­ka­pa­zi­tät. Klein­kör­ni­ges Mate­ri­al kann zwar Was­ser auf­neh­men, hat aber wenig Drai­na­ge­wir­kung. Lava und Bims haben den Vor­teil, dass sie in ihrem Poren­raum Was­ser auf­neh­men kön­nen und dar­über hin­aus leich­ter sind als Splitt oder Schot­ter – ein ent­schei­den­der Vor­teil für die Sta­tik. Ähn­lich leicht sind auch Bläh­ton oder Schaum­glas.

Die Fil­ter­schicht hat die Auf­ga­be, fein­kör­ni­ges Mate­ri­al aus der Vege­ta­ti­ons­schicht zurück­zu­hal­ten. Damit wird eine Ver­schläm­mung der Drai­na­ge ver­hin­dert. Als Mate­ri­al hat sich Fil­ter­vlies bewährt.

Die Vege­ta­ti­ons­schicht ist das Sub­strat, in dem die Pflan­zen wur­zeln und Halt fin­den. Sie muss einer­seits Was­ser spei­chern kön­nen, ande­rer­seits was­ser­durch­läs­sig sein, um Luft an die Pflan­zen­wur­zeln zu las­sen. Dar­über hin­aus sind der Anteil an orga­ni­scher Sub­stanz sowie die Ero­si­ons­an­fäl­lig­keit Kri­te­ri­en, die berück­sich­tigt wer­den müs­sen.
Die Mäch­tig­keit der Vege­ta­ti­ons­schicht bestimmt, was dar­auf gepflanzt wer­den kann. Inten­siv­be­grü­nung ist ab einer Auf­bau­hö­he von etwa 20 cm mög­lich. Ab etwa 50 cm Sub­strat­hö­he kön­nen Gehöl­ze gedei­hen; bei Bäu­men geht man von einer Min­dest­hö­he von etwa 80 cm aus. Je weni­ger Wur­zel­raum zur Ver­fü­gung steht, des­to weni­ger wuchs­kräf­tig sind Bäu­me und Sträu­cher.

Die Haupt­sa­che: Die Pflan­zen
Je mäch­ti­ger das Sub­strat, des­to mehr Gewicht las­tet auf der Dach­kon­struk­ti­on: Bei 20 bis 40 cm Dicke sind Las­ten von 300 bis 600 kg/m² zu berück­sich­ti­gen. Eine ein­fa­che Art der Inten­siv­be­grü­nung ist eine krautrei­che oder blü­ten­rei­che Wie­se auf dem Dach. Wie­sen kom­men mit einer gerin­ge­ren Sub­strat­hö­he und weni­ger Pfle­ge aus; aller­dings müs­sen auch sie zumin­dest ein­mal im Jahr gemäht wer­den.

Deut­lich weni­ger Gewicht bringt eine exten­si­ve Begrü­nung auf die Dach­kon-
struk­ti­on. Sie lässt sich auch auf geneig­ten Dächern rea­li­sie­ren, auf denen Inten­siv­be­grü­nung nicht mehr mög­lich ist. Die Nach­tei­le: Exten­siv begrün­te Dächer las­sen sich in der Regel nicht bege­hen, den Pflan­zen steht wenig Wur­zel­raum zur Ver­fü­gung, und die Was­ser­spei­cher­fä­hig­keit ist begrenzt. Das schränkt die Pflan­zen­aus­wahl stark ein. Exten­siv begrün­te Dächer sind Extremstand­or­te, die oft extre­me Tro­cken­heit auf­wei­sen.

Auf einer mini­ma­len Sub­strat­hö­he von etwa 4 cm wach­sen nur weni­ge Pflan­zen dau­er­haft: Dick­blatt­ge­wäch­se wie Haus­wurz (Sem­per­vi­vum) oder Mau­er­pfef­fer bzw. Fett­hen­ne (Sedum). Bei 20 cm Sub­strat­hö­he ist die Pflan­zen­aus­wahl wesent­lich grö­ßer: Hier gibt es ein rei­ches Sor­ti­ment an Seg­gen, Zier­lauch oder blü­hen­den Stau­den.

Bei der Aus­wahl der Pflan­zen sind meh­re­re Aspek­te zu berück­sich­ti­gen: Neben dem vor­han­de­nen Wur­zel­raum auch die Expo­si­ti­on des Daches – ob süd­sei­tig oder schat­tig – und damit ver­bun­den die Tro­cken­heit des Stand­orts. Auch jah­res­zeit­li­che Ver­än­de­run­gen spie­len eine Rol­le, da sich der opti­sche Ein­druck der Pflan­zen im Lau­fe des Jah­res ändert.

Nicht alle Pflan­zen füh­len sich an jedem Stand­ort wohl. Um das Risi­ko von Fehl­schlä­gen zu mini­mie­ren, ist ein Mix aus vie­len Arten und Sor­ten zu emp­feh­len. Dies wirkt sich auch posi­tiv auf den Arten­schutz aus. Denn ein begrün­tes Dach ist nicht nur für die Bewoh­ner des Hau­ses da – es bie­tet auch Nah­rung und Unter­schlupf für Hum­meln, Bie­nen, Schmet­ter­lin­ge und zahl­rei­che ande­re Arte

Gründach und Solar­mo­dul
Begrün­te Dächer und Pho­to­vol­ta­ik schlie­ßen ein­an­der nicht aus. Solar­zel­len arbei­ten bei hohen Tem­pe­ra­tu­ren weni­ger effi­zi­ent. Die Pflan­zen­decke auf begrün­ten Dächern redu­ziert die Hit­ze und ver­hilft somit den Modu­len zu mehr Strom­ertrag. Da Pflan­zen auch Staub aus der Luft bin­den, hel­fen sie, die Modu­le sau­ber zu hal­ten, was eben­falls den Strom­ertrag erhöht. Schließ­lich kann der Auf­bau der Dach­be­grü­nung auch zu einer bes­se­ren Ver­an­ke­rung der Solar­mo­du­le bei­tra­gen – unter ande­rem dadurch, dass er das Gewicht der Modu­le flä­chig ver­teilt und so Punkt­be­las­tun­gen ver­hin­dert.