Feuchte Mauern fördern Schimmel und können die Bausubstanz angreifen. Es gibt eine Reihe erprobter Verfahren, um Wasser aus dem Erdreich am Aufsteigen zu hindern. Alle haben ihre Vor- und Nachteile.
Bäume sind fantastische Lebewesen. Eine durchschnittliche Buche ist 30 m hoch, die höchsten Exemplare des Mammutbaums kommen auf über 100 m. Trotz dieser Höhe schaffen sie es, auch noch die höchste Blattspitze mit Wasser zu versorgen. Das physikalische Prinzip dahinter ist der Kapillareffekt. Er sorgt dafür, dass in den Leitungsbahnen des Baumes das Wasser aus dem Boden entgegen der Schwerkraft hochsteigen kann
Diesen Kapillareffekt gibt es nicht nur bei Bäumen. Wir finden ihn auch bei Schwämmen, bei Löschpapier und bei vielen porösen Materialien. Unter anderem in Mauern aus Ziegel, Porbeton oder Kalksandstein. Die einzige lebenserhaltende Funktion, die der Kapillareffekt hier ausübt, ist dass er Schimmel wachsen lässt.
Warum feuchte Mauern ein Problem sind
Feuchte Mauern sind eines der größten baubiologischen und bauphysikalischen Probleme. Pro Jahr werden in Österreich 120 Mio. Euro für die Behebung von Feuchteschäden im Hochbau ausgegeben, wie das Österreichische Institut für Baubiologie und ‑ökologie schreibt. Feuchte Mauern sind in mehrfacher Hinsicht ein Problem: Sie begünstigen das Entstehen von Schimmel und beeinträchtigen damit die Gesundheit der Hausbewohner. Sie senken die Dämmwirkung des Mauerwerks, dadurch steigen die Heizkosten. Zusätzliche Dämmung aufzubringen ist kontraproduktiv, da dadurch auch die Schimmelgefahr wächst. Nicht zuletzt setzt aufsteigendes Wasser auch der Bausubstanz direkt zu. Denn mit dem Wasser gelangen verschiedene Salze ins Mauerwerk, vor allem Carbonate, Nitrate, Sulfate und Chloride. Diese Salze kristallisieren bei (vorübergehendem) Trockenfallen des Mauerwerks und sprengen Mörtel und Wandfarbe. Ob eine Mauer feucht ist, zeigt sich oft schon an der Oberfläche: Dunkelfärbung, abbröckelnder Putz, Schimmelpilze und Risse sind Anzeichen dafür; manchmal riecht es auch muffig oder die Wand fühlt sich kalt an. Sicherheit bringt eine Feuchtigkeitsmessung, bei der der elektrische Widerstand in der Wand gemessen wird. Dies dient auch der Früherkennung, bevor noch Mauerwerk oder Gesundheit gröberen Schaden genommen haben.
Feuchte Mauern können verschiedene Ursachen haben. Diese zu erkennen ist der erste Schritt zur Trockenlegung. Wasserflecken können von undichten Stellen im Dach herrühren, eine feuchte Innenwand kann das Resultat von zu hoher Raumfeuchte und einem falschen Lüftungsregime sein.
Alles Üble kommt von unten
In alten Gebäuden ist oft aufsteigende Feuchte aus dem Boden in Kombination mit einer fehlenden Horizontalsperre der Hauptgrund für feuchte Mauern. Es gibt mehrere erprobte Verfahren, um aufsteigende Feuchte zu unterbinden. Alle haben Vor- und Nachteile.
Beim Maueraustauschverfahren werden Teile der Mauer Stück für Stück entfernt, und es wird eine Sperrschicht aus PVC oder Bitumenbeton eingebracht. Dabei können Schäden an der Mauer ausgebessert und beschädigte Teile der Mauer (z.B. Mauerwerk mit hoher Salzbelastung) komplett ersetzt werden. Dieses Verfahren ist sehr aufwändig und es besteht die Gefahr, dass die Statik des Gebäudes in Mitleidenschaft gezogen wird.
Beim Mauersägeverfahren sägt man mit einer Diamantseilsäge eine horizontale Fuge in die Wand. Die Fuge ist etwa 8 cm hoch, in sie wird die Horizontalsperre eingebracht. Es ist eine sehr effiziente Methode, die allerdings langwierig ist und eventuell statische Probleme mit sich bringen kann
Auch beim Bohrkernverfahren geht es darum, dass nachträglich eine Horizontalsperre ins Mauerwerk eingebracht wird. Hier werden im Abstand von 6 bis 8 cm Löcher mit einem Durchmesser von 8 bis 10 cm in das Mauerwerk gebohrt und anschließend mit wasserdichtem Mörter verfüllt. Wenn dieser ausgehärtet ist, werden in den Zwischenräumen weitere Löcher gebohrt und ebenfalls verfüllt. Da die Löcher einander überlappen, entsteht eine durchgehende Sperrschicht.
Beim Chromstahlblech-Verfahren werden gewellte rostfreie Bleche mit Pressluft in eine durchgehend Mauerfuge gerammt. Diese Bleche wirken als Sperrschicht; Voraussetzung ist, dass eine durchgehend horizontale Mauerfuge vorhanden ist. Auf die Statik der Mauer hat dieses Verfahren relativ wenig Auswirkungen.
Auch beim Injektage-Verfahren werden Löcher in die Mauer gebohrt. Diese sind jedoch kleiner, und sie dienen dazu, Füllmittel (z.B. Silikon oder Paraffin) ins Mauerwerk zu pressen. Dieses Injektagemittel verteilt sich in den Poren und bildet im Idealfall eine Sperrschicht. Diese Methode funktioniert allerdings nur bei einer Mauerdurchfeuchtung bis zu etwa 60 %. Bei höherer Durchfeuchtung kann sich das Injektage-Mittel nicht mehr in den Poren ausbreiten, da diese bereits mit Wasser gefüllt sind. Durch ein Vortrocknen der Mauer kann dies vermieden werden. Allerdings ist auch bei hohem Salzgehalt die Wirksamkeit des Injektage-Verfahrens begrenzt.
Bei der Elektroosmose wird die Bipolarität der Wassermoleküle ausgenützt. Über zwei Elektroden wird eine schwache Gleichstromspannung an die Wand gelegt. Innerhalb von etwa von zwei Jahren wird so die Mauer getrocknet. Diese Methode kommt ohne gröbere Eingriffe ins Mauerwerk aus, allerdings muss die elektrische Spannung kontinuierlich aufrecht erhalten werden, und eine hundertprozentige Trockenlegung ist nicht möglich. Die Kosten dieser Methode sind relativ hoch; sie eignet sich aber auch für denkmalgeschützte Gebäude.