Homeoffice, Inflation, Trend zu Ein-Personen-Haushalten: Die vergangenen Jahre haben den Immobilienmarkt ganz schön in Bewegung gehalten. Die Entwicklungen werden anhalten und zu weiteren Trends am Wohnungsmarkt führen.
„Gibt es auch ein Arbeitszimmer?“ – Bei der Suche nach einem neuen Zuhause spielt die Möglichkeit des Homeoffice eine wichtige Rolle: Im Rahmen einer repräsentativen Umfrage gaben 66 % der Befragten an, einen eigenen Raum für die Arbeit zu wünschen. Das war nicht immer so: Im Jahr 2018, als die meisten mit Corona noch lediglich eine mexikanische Biermarke verbanden, war der gefragteste Raum noch die Garderobe.
„Pandemie, Boomjahre, Zinskrise, Inflation – der heimische Wohnimmobilienmarkt hatte in den vergangenen zehn Jahren einige Stürme zu überstehen“, fassen Ing. Mag. (FH) Peter Weinberger und Prok. Peter Mayr von Raiffeisen die Entwicklung der letzten Dekade zusammen. Anlass für den Rückblick war das zehnjährige Bestehen von Raiffeisen Immobilien Österreich.
Wohnen ist wichtiger geworden.
Die Einstellung der Menschen zum Wohnen und ihre Bedürfnisse haben sich im Laufe des vergangenen Jahrzehnts geändert, so die Sprecher von Raiffeisen Immobilien. Die Bedeutung des eigenen Zuhauses ist gestiegen, und neben Platz für Homeoffice wurden auch Freiflächen wie Garten, Terrasse oder ein Balkon zu neuen, fixen Standards bei der Immobiliensuche.
Kleinere Wohneinheit werden nachgefragt
Obwohl statistisch gesehen die durchschnittliche Wohnfläche seit 2016 leicht angestiegen ist (laut Statistik Austria von 99 auf 102 m² in 2024), beobachten Expert:innen auch einen gegenläufigen Trend: „Aktuell sind wieder kleinere, weil leistbarere Einheiten gefragt, vor allem in urbanen Gebieten“, erläuterte Weinberger.
Schrumpfendes Angebot trifft auf wachsende Nachfrage
Die Branche erlebt derzeit eine der stärksten Wohnbaurezessionen der Nachkriegsgeschichte. Wohnbauinvestitionen und Fertigstellungszahlen gingen dramatisch zurück. Seit dem Höhepunkt der Krise 2022 sind die Wohnbauinvestitionen laut Raiffeisen Research um 20 % gesunken – und es ist kein Ende in Sicht. Besonders dramatisch ist diese Entwicklung in Ballungsräumen wie Wien oder Salzburg: Hier trifft das stark schrumpfende Neubauangebot auf eine kontinuierlich wachsende Nachfrage. Weinberger: „Österreichs Städte steuern auf eine Wohnungsnot zu, wie wir sie aus europäischen Großstädten wie Berlin oder München kennen.“
Die wirtschaftliche Bedeutung des Wohnungsmarktes ist groß: Am Wohnbau hängen ganze Branchen – von der Bauindustrie über das Baunebengewerbe bis zu Immobiliendienstleistungen und der Möbelindustrie. Rund 30 % des Bruttoinlandsprodukts entfallen auf die Immobilienwirtschaft im weitesten Sinn. Auch aus sozialpolitischer Sicht ist Wohnbau von enormer Bedeutung, gehen doch mit Wohnungsnot vielfältige soziale Probleme einher.
Was bringt die Zukunft?
Neben einer Rückschau auf zehn turbulente Jahre wagen die Sprecher von Raiffeisen Immobilien Österreich auch einen Ausblick auf die Zukunft des Immobilienmarktes. Sie sehen drei wichtige Trends, die die kommenden Jahre prägen dürften:
Alternde Bevölkerung.
Die Alterung der Bevölkerung schreitet voran. Damit einher geht ein deutlicher Zuwachs von Ein-Personen-Haushalten. Ihr Anteil stieg von 37 % im Jahr 2015 auf 39 % im Jahr 2024. Bis 2060 gehen Prognosen von 43 % aus (Quelle: Statistik Austria). In Zukunft werden also noch stärker kleinere Wohneinheiten gefragt sein, erläutert Peter Weinberger. Nachgefragt werden diese nicht nur von jungen Menschen, sondern auch von sogenannten „Best-Agern“, die ihre Lebensmitte bereits überschritten haben. Sie sind oft auf der Suche nach kleineren, altersgerechten, barrierefreien Einheiten.
Best-Ager treten auch zunehmend als Verkäufer:innen in Erscheinung: Sie trennen sich von zu groß gewordenen Häusern – soweit diese nicht an Familienmitglieder vererbt oder verschenkt werden. Peter Mayr prognostiziert zudem eine wachsende Nachfrage nach neuen Wohnformen wie Mehrgenerationen-Wohnen oder Best-Ager-Wohngemeinschaften.
Auch Alternativen zum klassischen Immobilienverkauf werden attraktiv, etwa der Immobilienverkauf mit Wohnrecht („Immobilienverrentung“), der in Frankreich bereits weit verbreitet ist
Nachhaltigkeit: gekommen, um zu bleiben
Nachhaltigkeit ist am österreichischen Immobilienmarkt längst angekommen: Der Anteil der Haushalte, die mit Wärmepumpe und/oder Solaranlage Energie gewinnen, hat sich seit 2016 fast verdoppelt – von rund 234.000 auf 592.000 im Jahr 2024 (Quelle: Statistik Austria). Laut einer Gallup-Umfrage ist es für 66 % der Befragten wichtig, in einem nachhaltigen Gebäude zu leben. Besonders stark ausgeprägt ist dieser Wunsch bei den 20- bis 30-Jährigen.
Investment is back
Bei Raiffeisen Immobilien rechnet man damit, dass sich die Renditen für Immobilieninvestitionen in den nächsten Jahren wieder bei 3 bis 3,5 % einpendeln werden. Weinberger: „Das sind Werte, wie wir sie auch vor den Boomjahren gesehen haben. Da die Immobiliennachfrage, vor allem im Mietsektor, sehr gut ist, können Investor:innen auch wieder mit guten Wertsteigerungen rechnen. Alles in allem also ein guter Zeitpunkt, um in Immobilien anzulegen“, so der Immobilienexperte.