Die Hei­zungs­an­la­ge kommt in die Jah­re. Muss eine neue her oder kann man die alte opti­mie­ren? Ist ein Sys­tem­wech­sel ange­bracht? Und wenn ja – wel­ches ist das opti­ma­le? Die Ant­wort heißt wie so oft: Es kommt dar­auf an.

Die Wahl der Hei­zung ist eine der wich­tigs­ten und auch eine der kom­ple­xes­ten Ent­schei­dun­gen. Zu den Fak­ten, die zu berück­sich­ti­gen sind, zäh­len nicht nur die Inves­ti­ti­ons­kos­ten. Wich­ti­ge Argu­men­te sind auch die abseh­ba­re Ent­wick­lung der Kos­ten für den Ener­gie­trä­ger, die Effi­zi­enz der Anla­ge, die Ver­sor­gungs­si­cher­heit unter Berück­sich­ti­gung der poli­ti­schen und wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung oder der War­tungs­auf­wand. Hin­zu kom­men mög­li­che För­de­run­gen und recht­li­che Vor­schrif­ten: In Öster­reich gilt das Ziel, bis 2040 voll­stän­dig aus fos­si­len Brenn­stof­fen aus­zu­stei­gen. Für Neu­bau­ten gilt bereits jetzt ein Ver­bot für den Ein­bau von Öl- und Koh­le­hei­zun­gen.

Abge­se­hen vom recht­li­chen Aspekt kann es auch in wirt­schaft­li­cher Hin­sicht sinn­voll sein, alte Hei­zungs­an­la­gen zu erset­zen oder zu opti­mie­ren. Alte Hei­zun­gen haben oft hohe Ver­lus­te, die zu über­höh­ten Heiz­kos­ten füh­ren.

Fern­wär­me
Lei­tungs­an­ge­trie­be­ne Wär­me (Fern- und Nah­wär­me) ist nicht nur in grö­ße­ren Städ­ten und eng ver­bau­ten Gebie­ten eine ver­brei­te­te Alter­na­ti­ve zu Öl und Gas. Auch in klei­ne­ren Orten, in Stadt­tei­len oder Wohn­an­la­gen ent­ste­hen Nah­wär­me­net­ze, wobei die Gren­ze zwi­schen Nah- und Fern­wär­me flie­ßend ist. Für die Bewoh­ner ist Fern­wär­me kom­for­ta­bel; man benö­tigt kei­nen eige­nen Bren­ner, kei­nen Kamin, kein Brenn­stoff­la­ger (z.B. für Pel­lets) und man muss sich kei­ne Gedan­ken über die Brenn­stoff­be­schaf­fung machen.

Die Ener­gie für Fern­wär­me kann aus unter­schied­li­chen Quel­len stam­men. Des­halb ist es auch nicht mög­lich, Preis­ent­wick­lung und Ver­sor­gungs­si­cher­heit gene­rell ein­zu­stu­fen. Als Ener­gie­quel­le kom­men in Fra­ge: Bio­mas­se (z.B. Holz), fos­si­le Ener­gie­trä­ger wie Erd­gas, erneu­er­ba­res Gas (Bio­gas), Abwär­me aus Block­heiz­kraft­wer­ken oder indus­tri­el­len Pro­zes­sen, Müll­ver­bren­nung, Geo­ther­mie oder Groß­wär­me­pum­pen. Wel­che die­ser Wär­me­quel­len zum Ein­satz kommt, hängt von den ört­li­chen und regio­na­len Gege­ben­hei­ten ab. Zum Bei­spiel sind Bio­mas­se­heiz­wer­ke vor allem in länd­li­chen Regio­nen rele­vant, in denen Holz regio­nal bezo­gen wer­den kann.

Auf­grund der zen­tra­len Wär­me­be­reit­stel­lung kön­nen Sys­te­me in Ein­satz kom­men, die für Ein­zel­hei­zun­gen nicht mög­lich oder nicht wirt­schaft­lich sinn­voll sind. So sehen Fach­leu­te den Ein­satz von Geo­ther­mie, Groß­wär­me­pum­pen oder die Nut­zung von Wär­me aus Abwas­ser als Tech­no­lo­gien mit gro­ßem Poten­zi­al.

Ein Pro­blem der Fern­wär­me liegt in der unter­schied­li­chen Kos­ten­ge­stal­tung der Betrei­ber. Viel­fach wer­den durch­aus spür­ba­re Grund­ge­büh­ren ver­rech­net. Und die­se hat der Eigen­tü­mer auch dann zu bezah­len, wenn die Objek­te im Fall eines Mie­ter­wech­sels leer­ste­hen. Das sind dann zusätz­li­che Kos­ten, die der Ver­mie­ter tra­gen muss.

Wär­me­pum­pen
Wo Fern­wär­me in abseh­ba­rer Zeit nicht zur Ver­fü­gung steht oder öko­no­misch nicht sinn­voll ist, ist der Ein­satz von Wär­me­pum­pen über­le­gens­wert. Der Auf­wand ist ver­gleichs­wei­se höher. Der Instal­la­ti­on soll­te eine exak­te Heiz­last­be­rech­nung des Gebäu­des vor­an­ge­hen, damit die Wär­me­pum­pe opti­mal dimen­sio­niert wird. Je nied­ri­ger die Heiz­last ist – je bes­ser das Gebäu­de gedämmt ist – umso effi­zi­en­ter arbei­tet die Wär­me­pum­pe. Es ist indes nicht unbe­dingt eine Kom­plett­sa­nie­rung des Gebäu­des not­wen­dig. Ana­ly­sen des Frau­en­ho­fer-Insti­tus haben gezeigt, dass auch ohne voll­stän­dig ener­ge­ti­sche Opti­mie­rung des Gebäu­des auf Neu­bau­stan­dard Wär­me­pum­pen effi­zi­en­ter arbei­ten kön­nen als bei­spiels­wei­se Gas­hei­zun­gen

Da Wär­me­pum­pen dann am wirk­sams­ten arbei­ten, wenn die Tem­pe­ra­tur­un­ter­schie­de zwi­schen der Wär­me­quel­le und der Vor­lauf­tem­pe­ra­tur mög­lichst gering ist, kann im Alt­bau eine Umrüs­tung bestehen­der Heiz­kör­per auf Nied­rig­tem­pe­ra­tur­heiz­kör­per not­wen­dig bzw. sinn­voll sein. Beson­ders effek­tiv ist die Kom­bi­na­ti­on von Wär­me­pum­pe und Flä­chen­hei­zung wie Fuß­bo­den- oder Wand­hei­zung.

Ein wie­der­keh­ren­des The­ma im Zusam­men­hang mit Luft­wär­me­pum­pen ist die Lärm­emis­si­on. Die Durch­schnitts­laut­stär­ke einer moder­nen Luft-Wär­me­pum­pe beträgt etwa 35 bis 60 dB (A). Das ent­spricht eine Laut­stär­ke, die zwi­schen Flüs­tern und nor­ma­ler Kon­ver­sa­ti­on liegt. Für die Lärm­im­mis­si­on auf das Nach­bar­grund­stück gilt, dass eine Laut­stär­ke von 35 dB (A) auf der Grund­stücks­gren­ze nicht über­schrit­ten wer­den soll, wenn die Wär­me­pum­pe im Dau­er­be­trieb läuft – etwa zur Küh­lung an hei­ßen Som­mer­ta­gen. An kal­ten Win­ter­ta­gen, wenn rund um die Uhr geheizt wird, hal­ten sich Men­schen übli­cher­wei­se nicht dau­er­haft im Frei­en auf. Geräuschim­mis­sio­nen spie­len dann eine weni­ger wich­ti­ge Rol­le. Ansons­ten kön­nen die Betriebs­zei­ten – etwa zum Auf­hei­zen des Warm­was­sers – zeit­lich ange­passt wer­den.

Gas­ther­men
Stan­dard bei Öl- und Gas­hei­zun­gen sind Brenn­wert­kes­sel. In die­sen wer­den die Abga­se mit­hil­fe eines Wär­me­tau­schers gezielt abge­kühlt. Dabei kon­den­siert der im Abgas ent­hal­te­ne Was­ser­dampf. Die ent­zo­ge­ne Wär­me wird genutzt, um das kalt aus dem Kreis­lauf zurück­strö­men­de Heiz­was­ser zu wär­men. Dadurch wird die Wär­me­aus­beu­te erhöht und eine – im Ver­gleich zum Heiz­wert­kes­sel – um zehn Pro­zent bes­se­re Aus­nut­zung des Brenn­stof­fes erzielt. Das Prin­zip arbei­tet umso effi­zi­en­ter, je nied­ri­ger die Rück­lauf­tem­pe­ra­tur des Heiz­was­sers ist. Zu hohe Rück­lauf­tem­pe­ra­tu­ren behin­dern die Kon­den­sa­ti­on und die Brenn­wert­kes­sel arbei­ten nicht opti­mal. Das ist dann der Fall, wenn die Heiz­kör­per zu klein sind oder kein Abgleich des Hei­zungs­sys­tems statt­ge­fun­den hat.

Die Abga­se eines Brenn­wert­kes­sel sind zu kühl, um selbst­stän­dig durch den Kamin zu ent­wei­chen. Brenn­wert­kes­sel benö­ti­gen ein Geblä­se, um den Abzug zu gewähr­leis­ten. Damit ver­bun­den sind ande­re Ansprü­che an den Rauch­fang als bei Heiz­wert­kes­sel. Der Rauch­fang muss dicht, feuch­te­un­emp­find­lich und kor­ro­si­ons­be­stän­dig sein.Die ver­mehr­te Bil­dung von sau­rem Kon­den­sat erfor­dert den Ein­satz von hoch­wer­ti­gem Edel­stahl. Beim Tausch eines Heiz­wert­kes­sels durch einen Brenn­wert­kes­sel muss dies berück­sich­tigt wer­den

Her­kömm­li­che Heiz­wert­kes­sel dür­fen in Öster­reich nicht mehr neu instal­liert wer­den. Es ist aber erlaubt, bestehen­de und funk­ti­ons­tüch­ti­ge Heiz­wert­kes­sel wei­ter zu betrei­ben. Defek­te Heiz­wert­kes­sel dür­fen repa­riert wer­den, und auch der Aus­tausch ein­zel­ner defek­ter Bau­tei­le ist erlaubt. Ver­bo­ten ist der kom­plet­te Aus­tausch kaput­ter Heiz­wert­kes­sel durch neue Heiz­wert­kes­sel. Aus­nah­men gibt es dort, wo in Alt­bau­ten der Ein­bau eines Brenn­wert­ge­rä­tes nicht mög­lich oder mit unver­hält­nis­mä­ßi­gem Auf­wand ver­bun­den ist.

Vie­le Brenn­wert­kes­sel arbei­ten nicht opti­mal, wenn die Heiz­kör­per zu klein sind oder kein Abgleich des Hei­zungs­sys­tem statt­ge­fun­den hat.

Opti­mie­rung der Hei­zungs­an­la­ge
Falls die Hei­zungs­an­la­ge im Alt­bau noch gut funk­tio­niert, gibt es eini­ge Mög­lich­kei­ten der Opti­mie­rung, ohne die Hei­zung zu tau­schen. Eine davon ist der hydrau­li­sche Abgleich.

In einem Heiz­sys­tem ohne hydrau­li­schen Abgleich wer­den die im Kreis­lauf­sys­tem hin­ter­ein­an­der lie­gen­den „par­al­lel geschal­te­ten“ Heiz­kör­per nicht gleich­mä­ßig durch­strömt und es kann zu einer Unter­ver­sor­gung ein­zel­ner Strän­ge kom­men. Das Heiz­was­ser vom Kes­sel nimmt den kür­zes­ten Weg und durch­strömt vor allem den nahe lie­gen­den Heiz­kör­per. Der Rück­lauf zum Kes­sel besteht in ers­ter Linie aus Was­ser, das die­sen Heiz­kör­per durch­strömt hat. Die­ser Heiz­kör­per ist zu warm, wäh­rend für wei­ter ent­fernt lie­gen­de par­al­le­le Heiz­kör­per­sys­te­me weni­ger Wär­me übrig­bleibt. Erst wenn der ers­te Raum jene Tem­pe­ra­tur erreicht hat, auf die das Ther­mo­stat­ven­til ein­ge­stellt ist, wird die Zufuhr zum ers­ten Heiz­kör­per gedros­selt.
Durch die erhöh­te Tem­pe­ra­tur des Hei­zungs­rück­laufs ver­rin­gert sich der Wir­kungs­grad von Brenn­wert­kes­seln und es erge­ben sich erhöh­te Ver­lus­te im Lei­tungs­netz

Beim hydrau­li­schen Abgleich wer­den anhand des Wär­me­be­darf des Rau­mes und der Daten der Heiz­kör­per zunächst die rich­ti­gen Wer­te für den Durch­fluss berech­net. Die­ser Wert ist die Grund­la­ge, um pas­sen­de Wer­te für den Durch­fluss durch die Heiz­kör­per ein­zu­stel­len. Der hydrau­li­sche Abgleich ist erreicht, wann alle par­al­le­len Sys­te­me den glei­chen hydrau­li­schen Wider­stand haben.

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Eine Quel­le für erhöh­te Heiz­kos­ten kön­nen schlecht iso­lier­te Hei­zungs­roh­re im Hei­zungs­kel­ler sein. Als Faust-
regel gilt: Die Dämm­stär­ke der Roh­re soll­te min­des­tens so dick sein wie die Lei­tun­gen, und sie soll­te kei­nes­falls unter zwei Zen­ti­me­ter betra­gen.

Auch alte Umwälz­pum­pen kön­nen gro­ße Strom­fres­ser sein. Eine Sofort­lö­sung ist, die Pump­leis­tung zu ver­rin­gern. Meist reicht näm­lich auch eine redu­zier­te Pump­leis­tung aus, um die Heiz­kör­per zu wär­men. Ist dies nicht der Fall, kann dies ein Zei­chen für ein hydrau­lisch schlecht abge­gli­che­nes Sys­tem sein. Noch höhe­rer Ein­spa­run­gen erzielt man durch den Ein­bau einer neu­en Hoch­ef­fi­zi­enz­pum­pe. Die Instal­la­ti­ons­kos­ten einer neu­en Pum­pe kön­nen sich in zwei bis vier Jah­ren amor­ti­sie­ren.

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